Würde des Menschen und des Lebens
Erst nach vielen schlimmen Erfahrungen konnte sich in Europa die Vorstellung einer unveräußerlichen Menschenwürde und daraus abgeleiteter Menschenrechte durchsetzen. Heute drängen westliche Staaten ihr Modell von Menschenrecht und Demokratie, in Wirklichkeit jedoch ihr Wirtschaftssystem anderen Kulturen als Problemlösung auf. Derweil fordern uns Flüchtlingsströme aus wirtschaftlich ausgebeuteten, kriegs- und tyranneigeschundenen Regionen heraus zu überprüfen, ob wir tatsächlich Recht und Würde aller Menschen meinen.
Die Idee einer unveräußerlichen Menschenwürde umfasst den Menschen ungeachtet von Herkunft, Geschlecht, Alter und sogar seiner Taten: Selbst dem Verbrecher und jenen, die ihre eigene Würde verletzen, müssen wir sie zugestehen. Es gibt also einen Aspekt der Würde, die grundsätzlich jedem Menschen zukommt, unverdient und deshalb unveräußerlich. Hieraus leiten sich die Menschenrechte als notwendige Schutzrechte ab.
Zu einem anderen Teil hat Menschenwürde sehr wohl damit zu tun, was ein Mensch darlebt. Daraus wurden bereits Menschenpflichten abgeleitet. Welche Werte leben wir, pflegen wir einen Sinn für Anmut und Schönheit, wie bringen wir uns in das große Leben ein? Reputation und gesellschaftliches Ansehen lasse ich in diesem Zusammenhang außen vor, denn sie können uns schneller genommen werden als wir sie gewinnen. Würde bedeutet immer auch Würde des anderen. Indem wir die Einzigartigkeit, die uns in unseren Mitmenschen, im Lebensganzen und allem Lebendigen begegnet, immer wieder neu entdecken, wachsen wir auch selbst.
Mit diesem Hintergrund dürfen einige Fragen gestellt werden!
- Ist es unserer selbst würdig, wie wir unseren Mitmenschen begegnen und mit diesen umgehen – von den uns nahestehenden Menschen bis hin zu solchen aus anderen Kulturen?
- Ist unsere Beziehung zur lebendigen Natur, zur Erde, zu Bäumen, Pflanzen, Tieren und all den uns begleitenden und erhaltenden Wesen unserer selbst würdig? Wie lange noch wollen wir der Ausrede huldigen, der Mensch sei als intelligentes Raubtier ein Betriebsunfall der Evolution, anstatt endlich Verantwortung zu übernehmen?
- Wie gestalten wir unseren Alltag würdig beispielsweise in unserem Verhältnis zum Geld, zu Macht, Recht und Politik, in der Liebe, im Aufwachsen der Kinder, im Gewinnen der Nahrung, in Bildung und Gesundheitsfragen?
„Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes erschuf er ihn“ (Genesis 1,27)
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