Homöopathie Karlsruhe

Vorwort zur 'Organon'-Studienausgabe

Unter dem Titel "Organon der Heilkunst" veröffentlichte Samuel Hahnemann das medizinische Manifest seiner Lehre. Bis in sein höchstes Lebensalter überarbeitete er dieses mehrfach. Das Organon wurde zur Primärquelle homöopathischer Methodik. Bis heute gilt es, zusammen mit den theoretischen Teilen der "Chronischen Krankheiten" und der "Reinen Arzneimittellehre&", in seiner 5. und 6. Ausgabe als unverzichtbare Studiengrundlage. Das Studium dieser Grundlagen ist auch heute in der Praxis sehr hilfreich. Neue Entwicklungen in der Homöopathie ohne solide Basis erweisen sich immer wieder als wenig fruchtbar.

Dem Wert der Originalquelle stehen einige Hindernisse entgegen, mit denen sich nicht nur der Anfänger konfrontiert sieht. Hahnemanns kunstvolle, aber ungewohnte Ausdrucksweise ist für heutige Menschen eine Herausforderung. Auch ist die Gliederung und Struktur des Werkes nicht von vornherein ersichtlich. Sprachliche Bearbeitungen gehen auf Kosten der Aussagedichte und haben den Nachteil einseitig festlegender Interpretationen vieler Textpassagen. Kurzfassungen mögen den ersten Zugang erleichtern, verleiten jedoch leicht, sich mit dem Original nicht mehr zu beschäftigen.

Letzteres, da Hahnemann in seiner sechsten, letzten 'Organon'-Auflage einige Passagen strich, die für die Verabreichung von C-Potenzen von Bedeutung sind. Dies geschah zugunsten der heute so bezeichneten Q- oder LM-Potenzen; unser Konzept respektiert die Tatsache, dass die meisten Therapeuten heute mit beiden Potenzarten arbeiten.

Trotz seiner inhaltlichen Vernetzung und Mehrschichtigkeit ist das 'Organon' der Heilkunst ein durchaus klar gegliedertes Werk, was in der vorliegenden Ausgabe erstmals in einer benutzerfreundlichen Art aufgezeigt wird. Durch Querverweise finden Sie leicht alle wichtigen Stellen, an denen ein Thema ein zweites oder drittes Mal aufgegriffen wird; den gleichen Zweck hat die Untergliederung wichtiger Schlagworte im Stichwortverzeichnis. Durch diese Ausstattung kommt Freude auf in der Benutzung, denn zu praktisch jedem Thema, das im 'Organon' besprochenen wird, haben Sie binnen Sekunden die relevanten Fundstellen zur Hand.

Carl Classen — Karlsruhe, im Frühjahr 2002


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