Notebook-Kauf - worauf ist zu achten?
Die Entscheidung „Notebook oder/und festes Gerät“ hat in erster Linie mit der persönlichen Arbeitsweise und vielleicht auch mit der räumlichen Situation zu tun. Ich selbst arbeite seit 16 Jahren ausschließlich mit Klapprechner. Folgend einige Empfehlungen aus meiner persönlichen Erfahrung. Die technischen Angaben beziehen sich auf Stand 2010.
Zur Kaufentscheidung: Notebook oder stationärer Rechner?
- Ein stationärer Rechner ist etwas kostengünstiger, einfacher zu reparieren und einfacher erweiterbar. Beides geht häufig auch im Laden um die Ecke, jedenfalls wenn Sie den Rechner in einem Laden mit angeschlossener Werkstatt gekauft haben.
- Ein Laptop bzw. Notebook ist platzsparend und beweglich, es ermöglicht die Arbeit unterwegs oder auch im Garten unterm Sonnenschirm. Festplatte und Arbeitsspeicher lassen sich bei ordentlichen Geräten ebenfalls ohne große Kenntnisse austauschen bzw. erweitern. Bei Patientengesprächen bildet es, wenn zugeklappt, keine „optische Barriere“ und ist bei Bedarf dennoch sofort verfügbar. Viel wichtiger als Rechenleistung sind für Nicht-Spieler Bildschirmgröße und -Helligkeit, bei Netbooks ist hierauf noch mehr zu achten.
Grundsätzliches und Arbeitsspeicher
Ausreichende Leistungsfähigkeit für Büroanwendungen, Praxisverwaltung wie auch homöopathiespezifische Software ist bei neuen oder neuwertigen Standard-Rechnern aller Art schon lange kein Thema mehr. Die für das Internet notwendige Ausstattung ist ebenso selbstverständlich. Allenfalls am Arbeitsspeicher wird öfters gespart, doch das neueste Windows Betriebssystem ist mehr als gefräßig. WindowsXP läuft ab 512MB flüssig, Windows 7 braucht ca. 1GB, Vista eher 2GB! Ansonsten wäre, wenn man sich nicht für einen Mac entscheidet, Linux aufgrund seiner Stabilität und geringerer Sicherheitslücken die erste Betriebssystem-Empfehlung ... allerdings läuft nicht jede Homöopathie-Software unmittelbar unter Linux.
Gebraucht-Notebooks
Solide Business-Notebooks können auch in gebrauchtem Zustand völlig in Ordnung sein. Manchmal mustern Firmen größere Bestände aus, die dann günstig zu haben sind – oft Leasing-Rückläufe. Bestimmte Firmen (bspw. www.lapstore.de) bieten Gebrauchtnotebooks sogar mit Garantie an. Auch hier sollte der Arbeitsspeicher in Bezug auf das Betriebssystem ausreichend ausgelegt sein (s.o. - für alte Geräte eher kein Vista!). Wichtig ist auch integrierter CD-Brenner zur Datensicherung. Sofern Sie kein Experte sind, kaufen Sie nur einen Gebrauchtrechner mit Betriebssystem und lassen sich ordentlich installierte Systemtreiber zusichern. Ebay-Käufe von Privatanbietern sind Glücksache; Garantie gilt dann nur bei mitgelieferter Original-Rechnung. Neue Akkus – bei gebrauchten Notebooks durchaus mal fällig – können Sie durchaus gut über Ebay kaufen.
Prozessor, Grafikkarte, Lärmentwicklung
Manches Schnäppchen aus dem Supermarkt wird schnell zum Frust, wenn der superschnelle Prozessor zu starker Hitzeentwicklung und entsprechendem Lüfterlärm führt. Den schnellsten Prozessor brauchen nur Spielkinder oder solche, die ihr Notebook gleich multifunktional als Haarföhn verwenden wollen. Das Gleiche gilt für schnelle Grafikkarten. Anders gesagt: nur ein optimal stromsparender Prozessor, zusammen mit einer bescheidenen Grafikkarte (oder Grafik vom Prozessor verwaltet) verschont Sie von lästigem Lüfter-Lärm. Achten Sie hierauf beim Kauf! Ein erwünschter Nebeneffekt ist eine lange Akkulaufzeit. Je nach Modell lässt sich Prozessor- und Grafikleistung in bestimmtem Rahmen auch von Hand regulieren. Für die Arbeitsgeschwindigkeit ist ein nicht zu kleiner Arbeitsspeicher meist entscheidender.
Radaubruder Nummer 2 ist manchmal die Festplatte. Einige Festplatten verursachen ein unangenehm hohes, pfeifendes Geräusch. Lautlos sind nur Solid-State-Disks (SSD). Tipp: testen Sie die Geräuschentwicklung zuhause, ohne die Umgebungsgeräusche eines Laden. Lassen Sie einen neu gekauften Rechner zuhause zumindest 30 Minuten laufen, ohne die Windows-Installation abzuschließen. Wenn schon dabei der Lüfter anspringt und Sie den Rechner nun zurückgeben wollen, sollten Sie sich ganz ganz schnell entscheiden. Einen fertig eingerichteten Rechner wird der Händler womöglich nicht mehr zurücknehmen!
Festplatte
Derzeit (2010) sind ca. 120 GB Minimal-Standard. Mehr können gut sein für eine zusätzliche Gesamt-Datensicherung auf versteckter Festplatten-Partition (bei IBM-Geräten voreingerichtet) oder für Media-Daten (Bilder, Musik).
Ganz wichtig: Ersparen Sie Ihrem Rechner jede Erschütterung bei laufender Festplatte, setzen Sie den laufenden Rechner nie hart auf den Tisch auf! Nur Solid-State-Disks ist das egal.
Bildschirm
1024 x 768 Pixel und 14 bis 15 Zoll Bildschirmdiagonale waren bis ca. 2007 Standard und zum Normalgebrauch völlig ausreichend. Derzeit geht der Trend zu Breitformat-Displays: schön zum Abspielen von DVD-Filmen. Zum Lesen und Schreiben von Texten ist die Vertikale bzw. Bildschirmhöhe viel wichtiger. Neugeräte sind derzeit fast nur mit Breitbild erhältlich. Ich würde dann wenigstens Taskleiste und bei Textsoftware die Funktionsleiste nach rechts schieben, um in der Vertikalen Platz zu gewinnen. Lassen Sie sich das Gerät vorführen und vergleichen Sie Bildschirmhelligkeit und Kontrast (soweit keine Vergleichswerte angegeben sind) mit anderen Geräten. Die Helligkeit ist vor allem dann wichtig, wenn Sie öfters im Freien arbeiten möchten oder Ihre Augen dies brauchen.
Im Laden mögen hochglänzende Bildschirme (sog. Glare-Bildschirme) sehr hübsch aussehen. Beim Umgebungslicht -- da reicht schon ein Fenster im Raum! -- produziert ein glänzender Bildschirm jedoch irritierende Reflexe. Entspiegelte, matte Bildschirme (non-glare) sind etwas teurer, aber dafür lässt sich im Freien und bei Umgebungslicht besser arbeiten. Noch sonnenverträglicher sind transflektive Bildschirme; pralle Sonne könnte den Rechner allerdings auch thermisch überlasten.
Tastatur und Mausersatz
Bildschirm, Tastatur und Maus bzw. Mausersatz sind dasjenige, womit wir überhaupt eine Verbindung zum Gerät herstellen. (Die Verbindung mit einer Maschine Kommunikation zu nennen, wie es die Werbebranche vormacht, ist natürlich Unfug. Kommunikation gibt es nur zwischen bewussten Wesen.) Die Qualität von Bildschirm, Tastatur und Maus ist ganz entscheidend dafür, wie Sie mit der Maschine klarkommen. Probieren Sie alles aus, testen Sie den Druckpunkt und "Gefühl" der Tastatur. Das Ansprechen der Maus (langsam und präzise, oder flink und etwas weniger genau) können Sie über Einstellungen / Systemsteuerung / Maus / Zeigeroptionen / Zeigergeschwindigkeit an Ihre Bedürfnisse anpassen. Manche Anwender bevorzugen eine externe Maus, die zudem viel weniger elektromagnetische Impulse als ein Touchpad abstrahlt.
Funkabstrahlung
Fast alle aktuellen Notebooks haben zwecks kabelloser Kontaktaufnahme mit dem Internet WLAN vorinstalliert. In der Grundeinstellung gibt die WLAN-Antenne auch ohne Internet regelmäßig Funksignale von sich. Wenn Sie das nicht wollen, sollten Sie WLAN über Einstellungen / Netzwerkverbindungen mit der rechten Maustaste deaktivieren. Viele Geräte haben auch einen Hardwareschalter zum Abschalten von Funkverbindungen.
Gewicht und Akkuleistung
Wichtig, wenn Sie oft unterwegs sind mit dem Notebook. Wer viel unterwegs ist und im Freien arbeitet, wird sich evtl. irgendwann einen baugleichen Ersatzakku besorgen.
Datensicherung
Datenverlust kommt grundsätzlich unerwartet und zerstört, je nach vorhandener Sicherung, die Arbeit von Stunden, Tagen oder Jahren. Statistisch gesehen trifft dies einen Anwender rund alle 2 Jahre. Wöchentliche Sicherung von E-Mails, eigenen Dateien und Patientendaten ist absolutes Minimum, bei intensiver professioneller Nutzung ist tägliche Datensicherung angebracht. Manche Menschen geben Geld für eine Elektronikversicherung aus, aber die Arbeitsdaten sind meist der größere Wert!
Ein CD-Brenner ist ein Muss für professionelle Datensicherung. Für große Datenmengen benötigen Sie einen DVD-Brenner, möglich ist auch externe USB-Festplatte. Für die kleine Sicherung zwischendurch und auch zum Datenaustausch taugt auch ein USB Memory-Stick.
Haben Sie nach Festplatten-Crash schon einmal das ganze System neu einrichten dürfen? Inklusive Programminstallationen, Updates, Freischaltungen, Internetkonfiguration, störrischen Servicepacks und sonstigen Windows-Launen? Eine baugleiche zweite Festplatte, auf die alle paar Monate mit einem geeigneten Tool (oder im Computerladen) der gesamte Festplatteninhalt inkl. versteckten Inhalten 1:1 kopiert wird, schont nicht nur die Nerven, sondern ist auch betriebwirtschaftlich sinnvoll. Jedenfalls, wenn Sie mehr als ein paar Briefe und Patientendaten am Rechner tätigen. Die regelmäßige Sicherung auf externe Platte oder CD-RW / DVD-RW, gelegentlich auch CDs / DVDs zum Archivieren, erübrigt sich damit natürlich nicht.
Passwortschutz
Firewall, Anti-Spy, Virenschutz und mind. 10-stellige Passwörter erschwerden den ungewollten Zugriff auf den Rechner von außen. Am wirksamsten dann, wenn Arbeitsdaten auf einer separaten, vom Betriebssystem getrennten Festplattenpartion mit Zugang ohne Administratorrechte untergebracht sind. Wenn jemand ihren Rechner erstmal in der Hand hat, sind Passwörter allerdings zumindest unter Windows eine leicht zu umgehende Kindersicherung. Der beste Schutz Ihrer Patientendaten ist immer noch, dass die Verbindung von kommerziellem Interesse an Ihren Praxisdaten und entsprechender krimineller Energie unwahrscheinlich ist.
Zuverlässigkeit, Garantie, Gewährleistung, Reparaturservice
Dieser Punkt hat große praktische Bedeutung, weit mehr als ein schneller Prozessor oder schneller Grafik-Chip. Was der Service taugt, erfahren Sie im Unterschied zu den technischen Spezifikationen weder vom Händler noch aus der Werbung. Wenn Ihr Gerät kein Spielzeug und kein Drittrechner ist, benötigen Sie zu allererst eine zuverlässige Maschine und zweitens, im Fall des Falles, einen zuverlässigen Service.
Die Computerzeitschrift c't führt regelmäßig Kundenbefragungen durch und veröffentlicht immer wieder Berichte, wie es im der Wirklichkeit aussieht. Nach einer in der c't 2007, Heft 6 veröffentlichten Umfrage
– www.pc.ibm.com/de/notebook/ct_umfrage.pdf –
60% der Umfrageteilnehmer hatten ihr Notebook irgendwann zur Reperatur geschickt. Mit der Hotline waren die Umfrageteilnehmer vor allem bei IBM/Lenovo, Dell und Samsung zufrieden, besonders häufig unzufrieden hingegen mit Sony, Toshiba und Asus. Bei der Zufriedenheit mit dem Reperaturservice liest sich die Hitliste fast ähnlich: große Zufriedenheit bei Dell, IBM/Lenovo und Samsung; Schlusslicht hingegen Toshiba, gefolgt von Asus und Acer. Über erfolglose Reperaturversuche klagten am häufigsten die Kunden von Toshiba, Acer und Asus. Dell war besonders schnell mit der Reperatur, Acer brauchte im Schnitt drei Wochen.
Deutliche Unterschiede in der Defektanfälligkeit und Reperaturdauer gibt es zwischen so genannten Business- und Comsumergeräten. Business- oder Professional-Notebooks sind vornherein weniger anfällig gebaut und die Kunden werden als Geschäftskunden besser behandelt. Den Mehrausgaben für ein ordentliches Gerät stehen größere Zuverlässigkeit, besserer Service und damit geringere betriebswirtschaftliche Risiken gegenüber. Sie würden vielleicht auch kein Zweirad mit 100PS-Motor und Moped-Fahrgestell kaufen. Wer nicht zumindest zwei Jahre Garantie geben kann – zu empfehlen sind eher drei Jahre Garantie! – ist womöglich nicht der richtige Anbieter.
Den Fehler eines Kaufs unter Zeitdruck im Geiz-ist-Geil-Markt machte ich einmal 2004; mit einem Markengerät (allerdings kein Business-Modell) glaubte ich mich sicher. Der Reperaturservice, auf den ich verwiesen wurde, war jedoch schlicht unerreichbar. Der Rechner landete zweimal in einer falschen Werkstatt, war rund 2 Monate nicht verfügbar und am Ende unterstellte Geizistgeil mir die Schuld am Nicht-Funktionieren. Auf der anderen Seite gibt es auch im Internet durchaus solide Angebote, und einige hervorragende Hersteller verkaufen fast ausschließlich über Internet.
Vorsicht Schleuderspur
Achtung mit dem ach so schönen Abhol-Service: auf gesetzliche Gewährleistungansprüche, wie etwa Rücktritt vom Kaufvertrag bei zweimal gescheiterter Nachbesserung, haben Sie nur dann Anspruch, wenn Sie sich nachweislich zuerst an den Verkäufer und nicht etwa an den Service des Notebookherstellers gewendet haben. Wenn im ersten halben Jahr Hardwarefehler auftreten, bei nachweislich produktionsbedingten Fehlern auch in den ersten zwei Jahren empfehle ich daher dringend das Gerät auch dann, wenn dies womöglich umständlicher ist, an niemand anderen als den Händler zu schicken oder dort vorbeizubringen.
Nichts veraltet schneller als die neueste Computerzeitung. Hier genannte technische Gerätedaten werden spätestens 2013 hoffnungslos veraltet sein. Die generellen Punkte, auf welche zu achten ist, werden in den nächsten Jahren jedoch die gleichen bleiben.
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