Informationen zur gesundheitsamtlichen Heilpraktiker-Überprüfung

Informationen zu Heilpraktikerverbänden nun unter Heilpraktikerverband: wenn ja, welcher?

Heilpraktiker-Überprüfung und Erlaubnis

stetho03Die Ausübung der Heilkunde ohne ärztliche Zulassung bedarf einer amtlichen Erlaubnis. Die formalen Voraussetzungen für eine Erlaubnis, als Heilpraktiker praktizieren zu dürfen, sind das Wenigste: Wohnsitz in Deutschland, Gesundheitszeugnis (d.h. keine Krankheiten, die einer verantwortlichen Berufsausübung im Wege stehen, bspw. keine Suchterkrankung), Führungszeugnis (keine Vorstrafen), abgeschlossene Schulausbildung (Minimum Hauptschule), abgeschlossenes 25. Lebensjahr. Die eigentliche Schwelle ist die gesundheitsamtliche Heilpraktiker-Überprüfung (folgend kurz: Heilpraktikerprüfung), die i.d.R. ebenfalls erst ab dem 25. Lebensjahr abgenommen wird.

Eine Heilerlaubnis kann, vor allem wenn das zuständige Gesundheitsamt eine Gefährdung von Patienten sieht, auch wieder entzogen werden.

Heilpraktikerprüfung durch das für den Wohnort zuständige Gesundheitsamt

Gesundheitsamt
Das Gesundheitsamt im Landratsamt Karlsruhe ist für Heilpraktiker in der gesamten Region Nordbaden zuständig.

Die amtliche Prüfung gilt als streng. Derzeit (2017) wird sie noch weiter vereinheitlicht: Bislang in manchen Bundesländern noch vorhandene kleine Unterschiede dürften ab 2018 entfallen. Wir rechnen damit, dass neben der umfangreichen Theorie-Prüfung auch kleine praktische Prüfungsteile, wie bspw. die Demonstration von Untersuchungstechniken, bislang nur von einigen Gesundheitsämtern im Rahmen der mündlichen Prüfung durchgeführt, künftig überall zu erwarten sind. Wir halten Sie auf dem Laufenden!

In der Gesamtstatistik aller Bewerber beträgt die Durchfallquote der schriftlichen und mündlichen Prüfung zusammengerechnet um die 80%. Wer sich gut und systematisch vorbereitet und wirklich will (bei der Mehrzahl unserer Schüler der Fall), sollte deutlich über 80% Chance haben, die gesamte Prüfung im ersten Anlauf zu bestehen. Die Durchfallquote sollte daher weniger abschrecken als dazu helfen, die eigene Motivation zu überprüfen.

   Warum eine Überprüfung in unserem Sinne ist

Infoblatt Heilpraktikerprüfung GesundheitsamtDie strenge Auswahl ist, da der Ausbildungsweg vom Gesetzgeber her frei steht, durchaus im Sinne des Berufes. Die Heilpraktiker-Prüfung stellt eine medizinische Grundqualifikation sicher, mit Kenntnissen insbesondere zu Aufbau und Funktion der Organsysteme, Krankheitslehre, Laborwerten, Untersuchungsmethoden und Krankheitserkennung, Orientierung zu konventionell üblichen Behandlungen, Praxishygiene, Erstversorgung von Notfällen und rechtlichen Grundlagen. Die damit gesicherten Kenntnisse verhindern vor allem, dass Patienten durch Unterlassung notwendiger Maßnahmen Schaden erleiden. Jeder Verdachtsmoment einer gefährlichen Erkrankung verpflichtet den Heilpraktiker zu weiteren Untersuchungen, und je nach Fall zur sofortigen Weiterleitung an einen Arzt oder eine Klinik. Ein Heilpraktiker muss jeden Hinweis auf mögliche gesundheitliche Gefahren für den Patienten erkennen und zuordnen können. Erleiden Patienten durch Verzögerung medizinisch notwendiger Maßnahmen oder durch andere Fehler einen Schaden, dann ist das für den/die Betroffene/n womöglich katastrophal und schadet „nebenbei“ auch unserem Beruf. Es liegt zudem in unserem Eigeninteresse, Patienten unter Einbezug aller relevanten medizinischen Fakten und nicht nur naturheilkundlich kompetent beraten zu können.

   Ablauf der Prüfung

zeit01_webDie Heilpraktiker-Prüfung setzt sich zusammen aus einer schriftlichen Multiple-Choice Prüfung und einer nachfolgenden mündlichen Prüfung. Nur wer den schriftlichen Teil besteht, wird zur mündlichen Prüfung zugelassen, den auch ein Heilpraktiker als Beisitzer begleitet. Beim Nicht-Bestehen eines Teils der Prüfung muss die gesamte Prüfung wiederholt werden. Nach dem dritten Versuch kann das Gesundheitsamt den Antrag auf Heilerlaubnis und eine erneute Prüfung ablehnen. Neben der inhaltlichen Vorbereitung ist daher auch eine gewisse psychologische Vorbereitung, bspw. durch wiederholte „Prüfungssimulationen“ hilfreich.

In Karlsruhe werden Heilpraktikerprüfungen zweimal jährlich, im Frühjahr und Herbst durchgeführt (Schriftliche: „3. Mittwoch im März und 2. Mittwoch im Oktober“). Laut einem Informationsblatt des Karlsruher Gesundheitsamt, Stand 2015, betragen die dortigen Gebühren: 149,- € für die schriftliche Prüfung, nach Bestehen derselben werden 233,- für die mündliche Prüfung inkl. Beisitzerauslagen hinzugerechnet, danach je nachdem 200,- für eine Erlaubniserteilung oder 150,- für einen Ablehnungsbescheid. Die Antragrücknahme kostet 36,- €. Relativ neu ist die Begrenzung auf 2x 100 Prüflinge jährlich. Daher empfehlen wir für Karlsruhe eine frühzeitige Anmeldung, auch wenn einzelne Unterlagen noch nachgereicht werden müssen!

Die Anmeldung zur Prüfung erfolgt regional unterschiedlich entweder beim Ordnungsamt oder direkt beim zuständigen Gesundheitsamt des Wohnortes (Hauptwohnsitz). Dort erfahren Sie auch die genauen Bedingungen inklusive der Kosten der Heilpraktiker-Prüfung und Anmeldefristen. Prüfungsort sind die Gesundheitsämter in Karlsruhe, Mainz, Heilbronn, Tübingen usw.

Berufsbezeichnung: nur „Heilpraktiker“ oder „Heilpraktikerin“

Praxisschild BerufsbezeichnungDie Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde ohne ärztliche Zulassung ist an die gesetzlich festgelegte Berufsbezeichnung „Heilpraktiker“ gebunden. Die weibliche Form ist natürlich möglich. Bezeichnungen wie Kinderheilpraktiker, Sportheilpraktiker sind als Berufsbezeichnung — obwohl zweifelhafte Institute dies als Ausbildung anbieten! — unzulässig. Sie dürfen sich auch nicht „Homöopath“ oder „Akupunkteur“ nennen, aber die angewendeten Therapieverfahren (also: „Homöopathie“, „Akupunktur“ usw.) dürfen auf Praxisschild und Briefpapier selbstverständlich genannt werden.

Deutschland und Europa

EuropaDie Heilpraktiker-Erlaubnis gilt innerhalb Deutschlands. Andere Länder haben ihre eigenen Gesetze, die von Kurierfreiheit (England) über Duldung (Spanien, Portugal) und Therapeutenregister für bestimmte Therapieverfahren (bspw. Homöopathen-Register in Norwegen) bis zum Arztvorbehalt jeglicher heilkundlichen Tätigkeit (Frankreich, Österreich) reicht. Teilweise vergleichbare Regelungen hat, zumindest kantonal, die Schweiz; eine deutsche Heilerlaubnis gilt dennoch nur in Deutschland. Die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union sind verpflichtet, Sicherheit und Schutz der Patienten zu gewährleisten. Auf welche Weise dies geschieht, obliegt weitgehend den einzelnen Nationalstaaten.

Alle Änderungen der Gesetzeslage behalten wir im Auge; durch mein weitergeführtes berufspolitisches Engagament bin recht nah an den Informationsquellen.

C.C.