Homöopathie – was ist das?

bekannt und unbekannt zugleich

Milde MachtDas Interesse an Alternativen oder Ergänzungen zu schulmedizinischer Behandlungsmethoden wächst heute zunehmend. Trotz großer Erfolge in schweren Akutfällen scheint die etablierte Medizin im Bereich chronischer Erkrankungen auf unüberwindliche Grenzen zu stoßen. Berechtigte Zweifel kommen auf, inwieweit eine Naturwissenschaft, die das Leben auf mechanische Vorgänge reduziert, der menschlichen Existenz gerecht werden kann. Nicht weniger einseitig scheint die Organisation unserer Gesundheitssysteme vorwiegend nach betriebswirtschaftlicher Interessenabwägung.

Inmitten eines schwer zu überschauenden alternativmedizinischen Angebots ist da die Homöopathie: Nicht aus fernen Länder kommt sie, sondern mitten aus dem Herzen Europas. Jeder glaubt sie zu kennen und doch gibt es so viele falsche Vorstellungen über sie. Sanfte und umfassende Hilfe leistet sie bei einer Vielzahl chronischer und akuter Erkrankungen. Nur wird die Homöopathie leider meist in einen Topf geworfen mit allerlei oft schnell verordneten, mehr oder weniger natürlichen Mittelchen für Beschwerden, die auch von alleine vergehen. Dabei bietet gerade die Homöopathie eine ernstzunehmende, umfassende Alternative zu vielen bekannten medizinischen Denk- und Handlungsweisen. Ihr Einsatz kann, zumindest begleitend, auch bei schweren Pathologien sinnvoll sein. Wissenschaftliche Belege werden gerne unter den Teppich gekehrt — siehe unsere Seiten zum Thema “Forschung”.

Worauf beruht die Homöopathie?

ArnicaEinem Kranken wird in einer sehr feinen, eigentlich mehr energetisch bzw. informativ wirksamen Dosierung ein Mittel gegeben, das seinen persönlichen, krankhaft veränderten Zustand auf spezifische Weise wiederspiegelt. Genau dies ist die Bedeutung des Ähnlichkeitsprinzips, “Heile Ähnliches mit Ähnlichem”. Die Lebens- und Selbstheilungskräfte werden durch einen scheinbar geringen, aber hoch spezifischen Reiz veranlasst, etwas zu tun, was sie vorher nicht taten, und hierdurch kommt ein Heilungsprozess in Gang. Was genau dabei geschieht, kann im Sinne der heutigen Naturwissenschaft noch nicht erklärt werden, doch zur Beobachtung und Beurteilung homöopathischer Arzneiwirkung gibt es klare und nachvollziehbare Kriterien. Zusammen mit der Hauptbeschwerde oder dem Behandlungsgrund ist der Gesamtzustand des Kranken zu berücksichtigen, subjektives Empfinden ebenso wie objektive Symptome, Reaktionen auf Wärme, Kälte und andere Außenreize ebenso wie das seelisches Befinden — hierin erweist sich der ganzheitliche Ansatz der Einzelmittel-Homöopathie. Wir arbeiten nicht gegen die Krankheit, sondern “mitsixnnig” für die Heilung des ganzen Menschen.

Die Entdeckung

HahnemannEntdeckt wurde die Homöopathie von dem Arzt Samuel Hahnemann, nachdem dieser im Jahre 1790 bei einem Selbstversuch mit Chinarinde, dem damals üblichen Malaria-Mittel, an sich selbst Malaria-ähnliche Symptome feststellte. Die naturgesetzlichen Grundlagen der Homöopathie waren zwar bruchstückhaft schon in anderen Kulturen bekannt, sie wurden jedoch erst durch Hahnemanns umfangreiche Forschungen zu einem anwendbaren System geordnet.

Heute wird die Homöopathie weltweit wiederentdeckt. Nicht etwa von suggestiblen und leichtgläubigen, sondern überwiegend von intelligenten, gebildeten und vor allem von selbständig denkenden Menschen. Die geistigen Voraussetzungen nehmen zu, die ursprüngliche Homöopathie in ihrer wahren, ganzheitlichen Dimension wieder zu erkennen und weiterzuentwickeln. Verständlicherweise bringt dies im größeren Kontext eines Paradigmenwechsels auch Angriffe mit sich.

Was bedeutet Heilung?

Grundlegender als die häufig diskutierte Potenzierung der Arzneien ist das homöopathische Verständnis von Heilungsprozessen.

WasserHeilung bedeutet weit mehr als Verschwinden einzelner Krankheitssymptome. Die homöopathische Herangehensweise entspringt einer Kenntnis von Lebensgesetzen und erlaubt ein Verständnis positiver oder negativer gesundheitlicher Veränderungen im großen Gesamtfeld von Veranlagung, Umfeldsituation, psychischen Prozessen sowie Krankheits- wie auch Heilungsdynamiken. Initiale Verstärkung einzelner Symptome (Erstverschlimmerungen) sind im Heilungsprozess möglich, müssen aber keineswegs immer auftreten. Eine gute Langzeitprognose ist erfahrungsgemäß vor allem dann gegeben, wenn eine Entwicklung “von innen nach außen” zu beobachten ist und Beschwerden in umgekehrter Reihenfolge des ursprünglichen Auftretens abheilen.

Klassische Homöopathie

OhrenWollen wir tatsächlich ganzheitlich behandeln und nicht nur Symptome hin- und herschieben, dann reicht es nicht, einfach Arzneien mit dem schönen Flaschenaufdruck “homöopathisch” zu verschreiben. Für eine solide klassisch-homöopathische Behandlung führt kein Weg vorbei an einer gründlichen Anamnese und einer individuellen Verordnung unvermischter Einzelmittel. Das ist seitens des Therapeuten mit einem gewissen Arbeitsaufwand zu Behandlungsbeginn verbunden, der jedoch vielfach lohnt. Eine nur nach Krankheitsdiagnosen getroffene Verschreibung ohne Berücksichtung von Gesamtsituation, Lebensumständen, Reaktionsweisen und seelisch-geistiger Verfassung des Patienten entspricht nicht den Prinzipien der Homöopathie.

Horus EyeZum Zwecke der viel einfacheren Verschreibung nach Diagnosen wurden sogenannte Komplexmittel entwickelt. Auch diese haben ihre Wirkung, entsprechen jedoch nicht dem vor allem bei chronischen Behandlungen wichtigen ganzheitlichen Ansatz der Homöopathie. Der Gebrauch von Komplexmitteln wird häufig als Schrotschuss-Therapie kritisiert, zur Abgrenzung wird manchmal von klassischer Homöopathie oder von Einzelmittelhomöopathie gesprochen. Das Wort “klassisch” oder dessen Fehlen gibt dennoch keinen sicheren Hinweis auf die Arbeitsweise — daher schauen Sie am besten in qualifizierten Therapeutenlisten wie der Stiftung Homöopathie-Zertikat oder Sie folgen persönlichen Empfehlungen.

GlobuliProblematisch ist auch, wenn die Homöopathie routinemäßig neben einer großen Zahl anderer Verfahren gleichzeitig angewendet wird. Von ganz bestimmten Ausnahmen abgesehen, erreichen wir weitaus am meisten, wenn die homöopathische Behandlung für sich alleine steht. Fünf oder sieben Sprachen fließend zu beherrschen ist weitaus leichter als zwei oder drei wirklich umfassende therapeutische Ansätze (wie bspw. Homöopathie oder Traditionelle Chinesische Medizin) wirklich gut zu kennen.

Wir haben nicht im Sinne, Kollegen anzugreifen. Vielmehr geht es uns darum, in einem tiefen Sinne zu verstehen, was Heilung bedeutet und dafür zu arbeiten. Unsere Freunde haben wir durchaus auch unter Therapeuten anderer Prägung — was uns im Einzelfall lieber ist als halbherzige Homöopathie.

Was wird behandelt?

nase01Bekannt wurde die Homöopathie im 19. Jahrhundert durch ihre Erfolge bei schweren Infektionskrankheiten wie Typhus und Cholera; Antibiotika und chemische Arzneimittel gab es damals nicht. Heute sind Akutbehandlungen eher üblich bei banalen Infekten, beispielsweise Erkältungskrankheiten wie Schnupfen, Husten oder Blasenentzündung. Für lebensbedrohliche Zustände möchten wir selbstverständlich nicht auf die Errungenschaften der modernen Medizin verzichten. Diese kommt jedoch zusehends an Grenzen bei tief chronischen oder wiederkehrenden Erkrankungen wie beispielsweise Allergien, Migräne, Infektanfälligkeit, Erkrankungen des Bewegungsapparates oder psychosomatischen Störungen. Chronische Krankheiten und solche mit chronischem Hintergrund sind heute die größte Domaine der Homöopathie. Allerdings behandeln wir Krankheiten nicht als isolierte Erscheinungen, sondern mit Rücksicht auf die individuellen Reaktionsmuster des ganzen Menschen. Homöopathie ist Medizin des Individuums par excellence.

Homöopathische Selbstbehandlung?

MörserSelbstbehandlung ist als erste Hilfe sowie bei einfachen und dem Patienten im Prinzip bereits bekannten Akutbeschwerden möglich. Gegenanzeigen sind starke Schmerzen, unklare Symptome, eine bereits laufende homöopathische Behandlung, chronische Beschwerden sowie häufig wiederkehrende Akutbeschwerden. Vielleicht wundern Sie sich über diese Einschränkungen, weil es doch so viele schöne bunte Bücher zur Selbstbehandlung gibt, die solche Grenzen teils nicht zu kennen scheinen. Aber vergleichen Sie es einmal damit, welche Kenntnisse zur Reparatur beispielsweise eines Autos oder eines Computers notwendig sind. Wieviel komplexer sind doch die menschlichen Lebensvorgänge! Auch professionelle Homöopathen behandeln sich und ihre Familie im chronischen Fall nicht selbst, zumal dabei der Abstand eines “therapeutischen Gegenübers” fehlt.

Möglichkeiten und Grenzen der Selbstbehandlung sind Gegenstand unserer Kurse zu “homöopathischer Selbsthilfe und Hausapotheke”.

Wer behandelt homöopathisch?

SHZ Logo In Deutschland gibt es sowohl Heilpraktiker wie Ärzte, die klassisch-homöopathisch arbeiten. Bei Ärzten wird die schulmedizinische Ausbildung umfangreicher sein, doch auch Heilpraktiker werden vor ihrer Zulassung einer strengen gesundheitsamtlichen Prüfung schulmedizinischer Kenntnisse unterzogen. Wo notwendig, wird ohnehin mit Fachärzten zusammengearbeitet. Heilpraktiker haben vergleichsweise mehr Möglichkeiten, sich in ihrer Ausbildung früh und gründlich mit ganzheitlichem Denken und alternativen Therapieformen auseinanderzusetzen. Ganz besonders für die Homöopathie ist eine umfassende, mehrjährige Ausbildung erforderlich. Aus unserem Gesundheitssystem sind qualifizierte Heilpraktiker/innen nicht mehr wegzudenken. Solche finden Sie vor allem durch Empfehlung oder auf der Therapeutenliste der gemeinnützigen Stiftung Homöopathie-Zertifikat SHZ.

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