Was sagt die Forschung zur Homöopathie?
„Homöopathische Behandlungen wirken alleine aufgrund des Placebo-Effektes“ – so hört man heute überall. Weil Patientinnen und Patienten daran glauben – wie einleuchtend. Einleuchtend für Menschen, die nicht weiter denken?
Welche spannenden und unbedingt auch herausfordernden Fragen beleuchtet die Forschung zur Homöopathie tatsächlich. Herausfordernd für gewohntes Denken und für unser gesamtes medizinisches System. Patientinnen und Patienten suchen eine homöopathische Behandlung freilich kaum aufgrund von Studien auf. Auch nicht, weil die Wirksamkeit potenzierter Substanzen etwa bei Modellorganismen, wie Wasserlinsen oder Weizenkeimen, schwer mit der Placebo-Hypothese vereinbar ist. Entscheidend sind vielmehr eigene Erfahrungen sowie persönliche Empfehlungen. Patientinnen und Patienten – und auch wir Behandelnde – sehen dabei kein Gegeneinander von Homöopathie und Schulmedizin (oder konventioneller Medizin). Gerade bei der Begleitung schwerer Erkrankungen ist das Miteinander unverzichtbar. Es geht um’s Heilen, nicht um’s Recht haben. Nchhaltig und wenn möglich, ohne schädliche Nebenwirkungen.
Wissenschaft und „Evidenzbasierte Medizin“ sind nicht gegen uns. Die Forschung ist eine spannende Reise. Für uns alle! Weiterhin aktuell bleibt eine 2006 veröffentlichte Übersichtsarbeit zum weltweiten Forschungsstand. Weniger wegen ihres Ergebnisses, sondern da sie als Health Technology Assessment Report, unter der Leitung von Prof. Dr. Matthiesen und Dr. Bornhöft, die weltweit wohl bis heute umfassendste, methodisch vielschichtigste und der Anwendungswirklichkeit nächste Studie ist. Die Veröffentlichung „Homöopathie in der Krankenversorgung. Wirksamkeit, Nutzen, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit“ (hier eine Buchbesprechung von mir) kommt zu dem Schluss, ich zitiere:

„Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es ausreichend Belege für eine präklinische Wirkung und klinische Wirksamkeit der Homöopathie gibt, und dass sie absolut und insbesondere im Vergleich zu den konventionellen Therapien eine sichere und kostengünstige Intervention darstellt.“
In anderen Worten: Homöopathie ist sicher, sie wirkt und ist kostengünstig.
Eine Herausforderung bleibt die Homöopathie nicht zuletzt deshalb, weil die eigentliche Wirkungsweise – was also durch homöopathische Arzneimittel im Organismus passiert und wie sich die Wirkung vermittelt – mit den Methoden heutigen Naturwissenschaft nicht erklärbar ist. Ein „Wirkmechanismus“, etwa auf zellulärer oder biochemischer Ebene, wird nicht gefunden – da dies auch nicht die Wirkungsweise ist.
Sind Homöopathie und moderne Wissenschaft ein Widerspruch? Nein, auch wir forschen. Auf diesen Seiten möchte ich vor allem Interesse wecken und neugierig machen.
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C. Classen, 2010/2026


