Homöopathie, Forschung und wissenschaftliche Methoden

Medizinische Forschung und Grundbegriffe der Methodik, kleine Einführung und Fazit

unser Stand / Grundlagenforschung / klinische Forschung (randomisierte und Beobachtungs-Studien) / Übersichtsstudien / Fazit

Häufig einseitige Medienberichte erwecken den Eindruck, dass Homöopathie und Wissenschaft einander widersprächen, als ob man nicht zugleich ein Homöopath und ein kritisch-wissenschaftlich denkender Mensch sein könnte. Auf diesen Seiten möchte ich ein umfassenderes Bild der Homöopathie-Forschung und der Medizinforschung insgesamt geben, das bereits heute zu anderen Ergebnissen kommt. Für die gesamte Medizin benötigen wir neue Forschungsansätze, welche der Vielschichtigkeit gesundheitlicher Vorgänge und menschlichen Lebens entsprechen. Vorab gilt es aber zu verstehen, welche Forschung es bereits gibt. Zusammenfassend erläutere ich folgend die Bedeutung von Grundlagenforschung (Labor / in vitro, Versuche mit Weizenkeimen oder Kaulquappen, etc.), klinischer Forschung (Doppelblind und andere randomisierte Vergleichsstudien, oder aber Beobachtungsstudien etc.) und Übersichtsarbeiten.

 

Spuren

Als Homöopathen brauchen wir uns vor wissenschaftlicher Forschung nicht zu fürchten. Die Homöopathie ist kein spekulatives, esoterisch-abgehobenes oder den Naturgesetzen widersprechendes System. Als Beobachtungswissenschaft beinhaltet sie in sich selbst viele forschende Elemente. Dies beginnt mit der systematischen Beobachtung im Rahmen von Arzneimittelprüfungen, setzt sich fort in der sorgfältigen Befragung und Beobachtung bei homöopathischen Fallaufnahmen, wird in den hoch differenzierten Kriterien der Verlaufsbeurteilung weitergeführt und fließt von dort wieder zurück in die klinische Verifikation (Anwendungsbestätigung) von Prüfsymptomen. Forschung ist sorgfältig arbeitenden Homöopathen von dieser Seite her schon durch den Praxisalltag vertraut. Darüber hinaus und vor dem Hintergrund der bekannten Angriffe auf die Homöopathie lohnt es sich zu schauen, wo wir im allgemeinen wissenschaftlichen Diskurs stehen, welche Strömungen die heutige Medizinforschung bestimmen, und welche Forschungsansätze der Komplexität von Lebensvorgängen und dem Menschen als geistig- seelisch- lebendigem Wesen am besten gerecht werden.

Jedem Menschen wohnt ein natürliches Streben nach Wissen und Erkenntnis inne. Forschung bedeutet systematisches Streben nach Erkenntnis mit dazu geeigneten Methoden. „Geeignet“ heißt, dass die angewandte Methode auf die jeweilige Fragestellung passen sollte. Mit einem Metermaß können wir die Tiefe eines Schrankes ermitteln, nicht jedoch die Tiefe eines Farbtons. Ebenso wenig besagt die Beobachtung der Eier-Uhr etwas über das Fassungsvermögen des Teekochers. Eine Statistik über den Anteil der Todesfälle, die in einem Bett geschehen, sagt uns relativ wenig über die Gefährlichkeit von Betten. Solche Beispiele mögen banal klingen, doch bei Forschungen im Bereich des Lebendigen und im Gesundheitsbereich ist die Frage der geeigneten Forschungsmethodik alles andere als banal. Fragen der Forschungsmethodik werden auf dieser Website in den Rubriken „Evidence Based Medicine“ und „neue Forschungsansätze“ diskutiert.

Bei jeglicher Forschung zu betrachten bleibt die Problematik möglicher Verzerrungsfaktoren, engl. „Bias“. Übliche Verzerrungsfaktoren bei Studien reichen von bewussten oder unbewussten Zielen und Grundannahmen der Personen, die eine Studie durchführen, bis hin zu nachträglichen „Anpassungen“ in der Vorgehensweise bei der Auswertung des Daten-Rohmaterials einer Studie.

In der heutigen Medizinforschung können drei Gebiete unterschieden werden:

1. Grundlagenforschung

In der Grundlagenforschung geht man grundlegenden Fragen nach, die keinen unmittelbaren Praxisbezug haben. Beispiele in Bezug auf die Homöopathie sind Experimente über das „Gedächtnis“ des Wassers bzw. dessen Fähigkeit, Informationen zu speichern, oder die Auswirkungen homöopathischer Lösungen auf das Wachstum von Zellkulturen oder Getreidekeimlingen. In der Grundlagenforschung gilt die sogenannte Reproduzierbarkeit eines Experiments als wichtig: die Wiederholung zu einer anderen Zeit und anderem Ort sollte übereinstimmende Ergebnisse bringen. In der klinischen Forschung wird die Reproduzierbarkeit eher durch Meta-Analysen (s.u.) dargestellt.

 

junger Forschergeist

2. Klinische Forschung

„Klinik“ bedeutet praktische Anwendung am Patienten. Beispiele klinischer Forschung sind:

  • Placebokontrollierte Doppelblindstudien
    Hier wird die Wirkung einer echten Arznei verglichen mit der Wirkung einer Scheinarznei (= Placebo). Dies geschieht in zwei hinsichtlich Krankheitsbild, Alter etc. vergleichbaren Patientenkollektiven (= Randomisierung), wobei weder Arzt noch Patient wissen, wer eine echte Arznei oder ein Placebo erhält (= Verblindung). Allgemeiner spricht man auch von „Randomisierten verblindeten Vergleichsstudie„.
  • Vergleichsstudien „Therapie A gegen Therapie B“
    Auch hier ist das Format einer „Randomisierten verblindeten Vergleichsstudie“ üblich. Der Aufbau ist wie bei Doppelblindstudien, doch statt Placebo wird ein Teil der Patienten mit dem Arzneimittel oder der Methode A, der andere Teil der Patienten mit Methode oder Arzneimittel B behandelt. Unter ethischen Gesichtspunkten meist unproblematischer, da keine Patienten unbehandelt bleiben.
  • Outcome-Studien oder Beobachtungsstudien
    Man verzichtet auf eine Kontrollgruppe belässt dafür den natürlichen Kontext der Behandlung. Der Rahmen der beobachteten Parameter kann bei diesem Studiendesign weiter gefasst werden, so dass auch die Patientenzufriedenheit und statt nur einzelner Parameter die gesundheitliche Gesamtentwicklung einbezogen wird. Durch eine Verblindung teils erst generierte Probleme entfallen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Anwendungsforschung oder Versorgungsforschung (hier mit einigen Beispielen).
  • Cognition Based Medicine, CBM
    Diese „erkenntnisbasierte Medizin“ beruht als Forschungsansatz auf einer Gestaltmusterbeziehung zwischen vorliegender Krankheit, therapeutischer Intervention und der Reaktion des Patienten auf die therapeutische Intervention. Im Unterschied zu anderen Forschungsmethoden erlaubt die Cognition Based Medicine auch Rückschlüsse aus individuellen Behandlungsverläufen. Siehe auch Neue Forschungsmethoden in Homöopathie und Gesamtmedizin.
  • Whole System Research
    Dies ist ein Oberbegriff für unterschiedliche Forschungsansätze, die auf Beobachtung des Lebensganzen in seinem größeren Zusammenhang zielen, statt wie beispielsweise in Doppelblindstudien nur einzelne Parameter abzugleichen. Siehe ebenso Neue Forschungsmethoden.

 

 

Vergleichsstudie

Mechanismus

3. Übersichtsarbeiten

Bei Übersichtsarbeiten wird keine „Forschung am Objekt“ betrieben, sondern es wird eine größere Anzahl geeigneter Studien ausgewertet. Man beabsichtigt auf diese Weise, Schwächen einzelner Studien auszugleichen. Zu erwähnen sind zwei Formate:

  • Meta-Analysen
    Bei einer Meta-Analyse wird eine größere Zahl direkt vergleichbarer Studien zu einem Thema oder einer Fragestellung vergleichend ausgewertet. Wenn eine Studie an verschiedenen Orten und zu verschiedener Zeit übereinstimmende Ergebnisse bringt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich nicht nur um Zufallsergebnisse handelt.
  • Health Technology Assessment
    Health Technology Assessment (HTA) ist ein anspruchsvolles und komplexes Format, das auf eine Einschätzung der Gesamtfolgen medizinischer Methoden und Technologien zielt und Aspekte der qualitativen Forschung einbezieht. Dabei wird der gesamte bekannte Forschungsstand zu einer Fragestellung oder einem Gebiet ausgewertet. Über die medizinische Einschätzung hinaus können so auch wirtschaftliche, ethische und soziale Aspekte mit betrachtet werden. Für HTA-Berichte gelten hohe internationale Standards.

Ein Beispiel einer solchen Übersichtsarbeit ist der von Bornhöft / Matthiesen herausgegebene, auf der Schweizer Heusser-Studie beruhende HTA-Bericht „Homöopathie in der Krankenversorgung – Wirksamkeit, Nutzen, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit“. Dieser auch als Taschenbuch erhältliche Bericht enthält zugleich eine tiefgründige Einführung in die Medizinforschung und kommt zu einem Schluss, den ich der Suchmaschinen zuliebe nicht doppelt zitiere, sondern folgend sinngemäß wiedergebe.

 

Übersichtsstudie

4. Eine Gesamtbetrachtung der vorhandenen Homöopathie-Forschung zeigt ausreichende Belege

… laut gerade genanntem HTA-Bericht von Bornhöft/Matthiesen, für:

  • eine „präklinische“ Wirkung der Homöopathie (bezieht sich auf den Wirksamkeitsnachweis in der Grundlagenforschung mit potenzierten Arzneimittel),
  • eine „klinische Wirksamkeit“ der Homöopathie (bedeutet, die Wirksamkeit bestätigt sich in der praktischen Anwendung, bspw. in Beobachtungs-Studien / Versorgungsforschung)
  • die Homöopathie ist sowohl sicher als auch kostengünstig
  • die Homöopathie zeigt sich gerade auch im Vergleich zu konventionellen Therapien sicher und kostengünstig
  • in einem Wort: Homöopathie wirkt, ist sicher und kostengünstig!

Wortlaut-Zitat siehe meine Kurzfassung zur Homöopathie-Forschung.

Homöopathie in der Krankenversorgung

weiterführende Artikel

Wollen Sie die methodischen Aspekte der Medizinforschung genauer anschauen? Prof. Harald Walach gibt auf seiner Website eine umfassende, aber allgemein verständliche Einführung für Journalisten, interessierte Laien, Mediziner, Studierende:

Carl Classen, 2010/2019