Der SPIEGEL  –  die BLASE

Der SpiegelDer SPIEGEL erschien im Juli 2010 mit dem hübschen frechen Aufmacher „Homöopathie – die große Illusion“. Ein mehrseitiger Artikel bedient in erster Linie populistische Klischees. Diese sind schon im Untertitel zusammengefasst: Homöopathie sei ein Milliardengeschäft (… doch der Anteil an den Gesamt-Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherungen liegt im Hundertstel-Promille-Bereich: dies auch zum Vorstoß des SPD-Gesundheitssprechers, Karl Lauterbach, Homöopathie aus der GKV zu streichen!), Anhänger und Gegner ständen sich unversöhnlich wie nie gegenüber (… in Wirklichkeit ist das konstruktive Zusammenwirken von Homöopathen und konventionellen Medizinern zum Wohle des Patienten weitläufig Realität, Ausnahmen bestätigen die Regel), und immer wieder: der Nutzen lasse sich nicht belegen (… vor allem klinische Studien und nicht etwa nur Einzelfälle belegen Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit der Homöopathie).

Es folgen unvermeidliche Klischees wie der Hinweis auf obskure Hexenküche mit Hundespeichel, Kot und Hodenextrakt. Trotz weitläufiger Kontakte kenne ich bislang kenne ich noch keinen einzigen Homöopathen, der auch nur einmal Hundespeichel, Kot oder Hodenextrakt als homöopathisches Mittel verschrieben hätte! Nicht anders als in früheren Ausgaben von SPIEGEL, Stern und Die ZEIT erkennt man die Beratung, wenn nicht auch die Feder des erklärten Homöopathie-Gegners Prof. Edzard Ernst. Eines Populisten, der in wissenschaftlichen Kreisen kein hohes Ansehen genießt.

Die wissenschaftliche Qualität des SPIEGEL-Artikels ist indiskutabel und bringt den Anwurf der im Titelbild beschworenen „BLASE“ auf die Urheber zurück, die in ihrer Überheblichkeit meinen, das „Andere“ nicht verstehen zu müssen, weil es nichts zu verstehen gäbe. In der Folge ist nicht einmal das homöopathische Ähnlichkeitsprinzip zutreffend beschrieben. Das reduktionistische Denken „Was wir nicht erklären können, das darf nicht sein“ wirft ein Licht auf Armseligkeit und Hybris einer Wissenschaftsauffassung, die im 21. Jahrhundert eigentlich als abgelöst gelten darf. Der SPIEGEL rezykliert eine Reihe längst diskutierter und widerlegter Behauptungen. So wird die Aussage, hunderte von Doppelblindstudien hätten die Homöopathie widerlegt, durch bloße Wiederholung nicht wahrer. Die Schweizer Egger-Studie, auf die sich Gegner immer wieder beziehen, hat wegen grober methodischer Schwächen – von 108 vorliegenden Doppelblindstudien wählte man nach nicht offengelegten Kriterien 8 angeblich „beste“ Studien aus, um ein gewünschtes Ergebnis zu erhalten – in Fachkreisen keinen guten Ruf. Groß angelegte Übersichts-Studien zur homöopathischen Anwendungswirklichkeit, wie die Heusser-Studie im Rahmen des Schweizer PEK Programm zur Evaluation der Komplementärmedizin, werden in den Medien meist verschwiegen. Die Heusser-Studie folgt als „Health Technology Assessment Report“ höchsten wissenschaftlichen Standards. Sie kommt zu dem Schluss:

„Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es ausreichend Belege für eine präklinische Wirkung und klinische Wirksamkeit der Homöopathie gibt, und dass sie absolut und insbesondere im Vergleich zu den konventionellen Therapien eine sichere und kostengünstige Intervention darstellt“.

Kurzgefasst: Homöopathie wirkt nicht nur, sie ist auch sicher und kostengünstig!

Die Veröffentlichung unter dem Titel Homöopathie in der Krankenversorgung – Wirksamkeit, Nutzen, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit, herausgegeben von Bornhöft / Matthiesen, ist zugleich eine hervorragende, tiefgründige Einführung in die Medizinforschung insgesamt.

Tatsächlich wissen wir bis heute trotz quantenphysikalischer Modelle nicht genau, „warum“ Homöopathie wirkt. Umso besser können wir beschreiben, „wie“ Homöopathie wirkt, beziehungsweise nach welchen Gesetzmäßigkeiten eine Verlaufsbeurteilung und die Wahl von Folgemitteln durchzuführen sind. Meine eigene Erfahrung ist: Suggestible Patienten, also leicht beeinflussbare Menschen, die nach den üblichen Placebo-Klischees doch am besten auf homöopathische Arzneimittel ansprechen müssten, sind in Wirklichkeit am schwierigsten zu behandeln. Menschen, die einer homöopathischen Behandlung offen und neutral gegenüber stehen, oder auch kleine Kinder (die nicht einmal verstehen, dass sie behandelt werden), sprechen auf eine homöopathische Behandlung am besten an. Irgendein „Glauben“ ist nicht erforderlich oder kann sogar hinderlich sein. Forschung ist und bleibt ein interessanter Weg, wenn wir uns ein Herz fassen („aude sapere“) die Lebens-Phänomene im Ganzen zu betrachten, anstatt die Welt auf dasjenige reduzieren, das unser begrenztes Verstehen bereits erfassen kann.

C.C., Juli 2010

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