„Blond ist unbehandelbar“:
Was die Homöopathie NICHT kann
Heitere Missverständnisse homöopathischer Konstitutionsbehandlung
Die Homöopathie ist eine Methode zur Behandlung von Krankheiten, nicht von Nicht-Krankheiten. So banal dies klingen mag, so merkwürdig sind doch manche Missverständnisse in der populären Diskussion. Homöopathisch schlichtweg unbehandelbar sind beispielsweise:
Blonde Haarfarbe (Selbstversuch scheiterte bislang, werden lediglich grau ;-)), blaue Augen, die Schuhgröße, die politische oder die sexuelle Orientierung, das grundlegende Temperament oder etwa Abneigung gegen Labskaus (einige nördliche Küstengebiete womöglich ausgenommen).
Oft falsch verstanden wird insofern auch der Begriff der „homöopathischen Konstitutionsbehandlung”. Die Konstitution eines Menschen (Körperbeschaffenheit und Temperament) liefert lediglich Hintergrundinformationen, in welche Richtung ein Mensch krank zu werden neigt. Wenn beispielsweise ein Mensch mit cholerischem Temperament zu heftigen Wutausbrüchen neigt und er leidet selbst darunter ebenso wie andere, dann ist ein Grad des Ungleichgewichts erreicht, der aus homöopathischer Sicht ein therapeutisches Eingreifen sinnvoll macht. Das Ziel kann freilich nicht sein, das grundlegende Temperament oder gar das Wesen des Patienten umzudrehen. Wenn die Homöopathie in der Lage wäre, das Wesen eines Menschen zu manipulieren, müsste ich sie ablehnen. Wir wollen ja nicht die Gen-Designer neidisch machen!
Daher verwende ich auch nicht den Begriff des „Konstitutions-Mittels“. Vor allem bei Erkrankungen mit chronischem Hintergrund berücksichtige ich durchaus die Konstitution. Schon Hahnemann dokumentierte die Erfahrung, dass bei der Behandlung langwieriger Beschwerden ganz regelhaft auch Abfolgen unterschiedlicher, je nach beobachtetem Verlauf indizierter Einzelmittel angezeigt sind. „Das eine Konstitutionsmittel“ existiert in weitgehender Übereinstimmung homöopathischer Fachkreise so nicht, denn gesundheitliche Themen und Zustände eines Menschen, in gewissem Grade sogar die Konstitution, können sich auch ändern.
Patientinnen und Patienten suchen homöopathische Behandlungen heute bei einem großen Spektrum von Gesundheitsstörungen auf. Vor Behandlungsbeginn und oft auch im Behandlungsverlauf sind daher Erwartungen, Behandlungsziele und auch Grenzen zu klären. Die wissenschaftliche Diskussion, hier ein Beitrag von mir zu Homöopathieforschung und Evidenz, ist ebenso kontrovers wie interessant und alles andere als banal.
C. Classen, 2011/2026
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