Homöopathie in Wissenschaft und Forschung — Evidenz ist nicht gleich Evidenz
Wissenschaft ist kein fertiges Gebäude
„Was sagt die Wissenschaft dazu?“ – bei medizinischen Fragen klingt diese Frage zunächst so, als müsse es darauf eine eindeutige Antwort geben. Entweder eine Behandlung ist wissenschaftlich belegt oder sie ist es nicht.
So einfach funktioniert Wissenschaft allerdings nicht. Der häufig postulierte Gegensatz „hier die harte evidenzbasierte Medizin, dort die Homöopathie und andere unbelegte Komplementärmedizin“ ist so nicht zu halten. Nicht einmal als Vereinfachung.
Wissenschaftliche Erkenntnis ist ein fortlaufender Prozess. Das betrifft einesteils neue Studien, die Forschungsergebnisse überprüfen, bestätigten, relativieren oder auch verwerfen. Aber auch manche Prämissen (Grundannahmen) und damit Forschungsmethoden sowie die Einschätzung der Methodeneignung entwickeln sich weiter.
Das bedeutet nicht, dass alle Auffassungen gleich gut begründet wären. Wissenschaft ist nicht beliebig. Aber wissenschaftliche Erkenntnis ist grundsätzlich offen für Korrektur und Weiterentwicklung.
Das gilt auch für die Medizin.
Evidenz und Methodeneignung
Die heutige Medizinforschung verfügt über eine Vielzahl unterschiedlicher Methoden. Welche jeweils besonders aussagekräftig ist, also die Methodeneignung, hängt stark von der jeweiligen Fragestellung ab. Klarzustellen ist auch, dass „Evidenz“ keinesfalls mit „Beweis“ zu übersetzen wäre, das Wort schwingt etwa zwischen „Hinweis“ und „Nachweis“. Evidenz bezeichnet eine verfügbare Erkenntnisgrundlage, die unterschiedlich belastbar sein kann.
Ein heute besonders etabliertes Format – insbesondere bei der Zulassung von Medikamenten mit neuen Wirkstoffen – sind randomisierte kontrollierte Studien (randomized controlled trial, RCT). RTCs können gut untersuchen, ob eine Behandlung unter definierten Bedingungen einen spezifischen Unterschied gegenüber einer Vergleichsbehandlung hervorruft. Sie sind deshalb für viele Fragen zur Wirksamkeit von großer Bedeutung. Sie bieten „interne Validität“, sind also in sich selbst schlüssig.
Dennoch lässt sich nicht jede medizinisch relevante Frage mit einer randomisierten kontrollierten Studie befriedigend beantworten. Wenig geeignet ist dieses Format zur Beurteilung komplexer zusammenhängender Verlaufsparameter – also etwa des gesundheitlichen Gesamtgewinns – sowie zur gesundheitlichen Beobachtung längerer Zeiträume.
Wie gut funktioniert eine Behandlung unter den Bedingungen des normalen Praxisalltags? Wie erleben Patientinnen und Patienten eine Behandlung? Wie verändert sie ihre Lebensqualität? Welche langfristigen Auswirkungen hat sie? Wie sind die Daten auf besondere Patientengruppen übertragbar, wie etwa multimorbide Menschen, die oft viele Medikamente benötigen und an keine Studie teilnehmen? Was sagt die zunächst rein statistische Datenlage eines RCT zum Nutzen für den einzelnen Patienten und dessen konkrete, sehr individuelle gesundheitliche Situation? Für solche Fragen können andere Forschungsansätze, insbesondere die Versorgungsforschung mit Beobachtungs- und Outcome-Studien, aber auch Einzelfall-basierte Ansätze wie „Cognition Based Medicine“ wichtige Erkenntnisse liefern.
Evidenz ohne starre Hierarchie
Randomisierte kontrollierte Studien oder eines RCT sind mit ihrer klaren Linie von einem definierten Ausgangsparameter über eine medizinische Intervention hin zu einem Endparameter ganz darauf angelegt, spezifische Interventionseffekte unter kontrollierten Bedingungen zu untersuchen. Das ist Stärke und Schwäche zugleich dieses Studiendesigns und bedingt sogar mögliche Verzerrungseffekte.
RCTs entsprechen konzeptionell am besten Behandlungsansätzen, deren Wirkannahme sich auf spezifische, eher ‚monokausal‘ gedachte Effekte richtet, etwa durch bestimmte biochemische Schalter, während eine langfristige und ‚ganzheitliche‘ Entwicklung von Gesamtbefinden und Lebensqualität damit möglicherweise nicht befriedigend erfasst wird. Für die Untersuchung individualisierter, komplexer oder multimodaler Interventionen – das betrifft keinesfalls nur, aber eben auch die Homöopathie und Komplementärmedizin – können sich besondere Anforderungen an Studiendesign, Vergleichsintervention und Auswahl geeigneter Endpunkte ergeben. Je nach Fragestellung können auch vornherein die schon genannten Formate von Beobachtungs- und Outcome-Studien angemessener erscheinen, zumal sie einer gesamtheitlich und langfristig angelegten Behandlungsintention möglicherweise näher kommen.
Dabei sollte man allerdings nicht in die Falle gehen, für chemisch definierte Arzneimittel RCTs und für die Komplementärmedizin hingegen Beobachtungsstudien zu fordern. Wir brauchen beides – nicht „harte“ Forschung für das Eine und (vermeintlich!) „softe“ Forschung für das Andere. Denn für die Gesamtmedizin stellt sich die Frage, ob es zweckmäßig ist, RCTs und deren Metaanalysen weiterhin pauschal an die Spitze einer Evidenzpyramide zu stellen und jede Art von Beobachtungsstudie als geringerwertig zu betrachten, oder ob nicht vielmehr die jeweilige Fragestellung darüber entscheiden sollte, welche Evidenzform und welche entsprechenden qualitativen Parameter angemessen sind. Alleine nach der Fragestellung hat sich zu richten, was an der Spitze der Evidenzhierarchie stehen sollte. Ob wir einzelne klinische Parameter oder aber Gesamtbefinden und Lebensqualität eines Patienten bemessen, ob wir ein halbes Jahr oder aber fünf und mehr Jahre Beobachtungszeit in Betracht ziehen und welche Studienmethodik dazu jeweils geeignet ist, das ist eine wissenschaftliche und zugleich durchaus gesundheitspolitische Frage. Mit Sympathien für diese oder jene medizinische Richtung hat diese Frage wenig zu tun.
Eine entsprechende Diskussion über die Grenzen starrer Evidenzhierarchien ist auch in der medizinischen Methodendiskussion längst im Gange, aber noch nicht überall angekommen (u.a. Vaishya et al, 2025: „Beyond the hierarchy: Rethinking the ‚levels of evidence‘ in modern medicine“ sowie Panigrahi et al, 2026: „Beyond the pyramid: Reconsidering evidence synthesis as distinct from original research“.
Die Evidence-Based Medicine (EBM) ist ursprünglich nie als eine strikt an randomisierten Studien ausgerichtete medizinische Praxis verstanden worden. In ihrer klassischen Definition – nicht der Evidenz an sich, aber der evidenzbasierten medizinischen Praxis! — geht es darum, die beste verfügbare externe wissenschaftliche Evidenz mit klinischer Erfahrung und den individuellen Bedürfnissen und Wertvorstellungen der Patientinnen und Patienten zu verbinden. Sackett und Kollegen beschrieben EBM ausdrücklich als einen Prozess lebenslangen Lernens und der fortlaufenden kritischen Prüfung (Sackett, 1996).
Evidenzbasierte Medizin ist selbstkritisch
Evidence-Based Medicine bedeutet daher nicht, dass jede Behandlung der konventionellen Medizin bereits durch eine lückenlose wissenschaftliche Datenlage abgesichert wäre. Sie hat dazu beigetragen, etablierte medizinische Verfahren kritisch zu überprüfen und unwirksame oder sogar schädliche Behandlungen zu erkennen.
Wie groß die Lücken zwischen medizinischer Praxis und hochwertiger Evidenz sein können, zeigt eine interessante Untersuchung von Howick und Kollegen aus dem Jahr 2022. Die Autoren werteten eine Zufallsstichprobe von 2.428 Cochrane Reviews aus und untersuchten daraus 1.567 Interventionen, für die eine Bewertung der Evidenzqualität nach GRADE vorlag.
Nur 87 dieser 1.567 Interventionen – 5,6 Prozent – erfüllten gleichzeitig drei Kriterien: Für mindestens einen primären Endpunkt lag eine hohe Evidenzqualität vor, das Ergebnis war statistisch signifikant positiv und die Autoren des jeweiligen Reviews bewerteten die Intervention als wirksam. Gleichzeitig wurden mögliche Schäden nur bei 577 der 1.567 Interventionen überhaupt quantifiziert (Howik et al, 2022).
Das alles besagt nicht, dass die Mehrzahl medizinischer Interventionen unwirksam sei. Es ist auch kein Beleg für oder gegen die Wirksamkeit der Homöopathie. Die Zahlen belegen nur einmal mehr, dass eine Gegenüberstellung „evidenzbasierter“ konventioneller Medizin nicht evidenzbasierter“ Komplementärmedizin nicht weiterführt. Evidenzbasierung darf angestrebt, aber keinesfalls verabsolutiert werden — zumal die derzeit übermäßige Fixierung auf RCTs und deren Metaanalysen einige der schon diskutierten Einseitigkeiten hervorbringt. Qualitativ hochwertige Beobachtungsstudien müssten zumindest ergänzend angewendet werden.
Was bedeutet das für die Homöopathie?
Die Frage nach der wissenschaftlichen Begründung einer Behandlung darf und muss unabhängig davon gestellt werden, welchem medizinischen System sie zugerechnet wird. Gerade bei der Homöopathie wird sie Frage besonders kontrovers diskutiert.
Das European Academies’ Science Advisory Council (EASAC), ein Zusammenschluss europäischer Wissenschaftsakademien, veröffentlichte 2017 eine ausführliche Stellungnahme zu homöopathischen Produkten und Verfahren. EASAC legte weitestgehend den im Tenor sehr ähnlichen 2nd Australian Report des NHMRC zu Grunde und kam zu dem Schluss, dass es keine robusten und reproduzierbaren Belege für eine Wirksamkeit homöopathischer Produkte bei bekannten Erkrankungen über Placeboeffekte hinaus gebe. Auch mögliche Wirkmechanismen bewertete EASAC als nicht vereinbar mit etablierten wissenschaftlichen Konzepten (EASAC, 2017).
Interessant ist deshalb die Frage, wie sich die Forschung seitdem weiterentwickelt hat.
Hamre Studie zu sechs Meta-Analysen
Eine 2023 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit von Hamre und Kollegen hat genau hier angesetzt. Die Autoren untersuchten sechs zuvor veröffentlichte, zwischen 1997 und 2017 erschienene Meta-Analysen randomisierter, placebo-kontrollierter Homöopathiestudien. Die sechs Meta-Analysen umfassten, teils mit Überschneidungen, jeweils zwischen 16 und 110 Studien (Hamre et al, 2023).
Das Ergebnis ist bemerkenswert – und verdient eine genaue Betrachtung.
Fünf der sechs Meta-Analysen enthielten eine auswertbare zusammengefasste Effektschätzung für alle eingeschlossenen Studien. Alle fünf zeigten einen statistisch signifikanten positiven Effekt zugunsten der Homöopathie gegenüber Placebo. Für die sechste Meta-Analyse lagen keine entsprechenden Daten vor (Hamre et al, 2023).
Zusätzlich untersuchten vier der sechs Meta-Analysen, wie sich das Ergebnis verändert, wenn nur methodisch hochwertigere Studien berücksichtigt werden. In drei dieser vier Analysen blieb der positive Effekt statistisch signifikant; in einer – der Meta-Analyse zur nicht-individualisierten Homöopathie – war er nach dieser Einschränkung nicht mehr statistisch signifikant.
Damit lässt sich die Studie zwar nicht mit „Die Homöopathie ist bewiesen“ zusammenfassen, als widerlegt gelten kann jedoch „Es gibt keine nennenswerten positiven Studien“.
Hamre und Kollegen analysierten die Meta-Analysen auch qualitativ und stuften das Risiko für Bias bei drei der sechs Meta-Analysen als niedrig und bei drei als hoch ein. Auch die Qualität der Evidenz schien je nach untersuchter Form der Homöopathie unterschiedlich. Gerade solche Differenzierungen zeigen, dass die Frage nach der Evidenz nicht durch das Zählen positiver und negativer Studien beantwortet werden kann.
Was lässt sich bis hierhin ableiten?
Die Ergebnisse von Hamre und Kollegen stehen in einem gewissen Spannungsverhältnis zu anderen und eher kritischen Bewertungen (wie bspw. von EASAC oder NHMRC). Für beide Positionen könnten jeweils mehr Studien und „Autoritäten“ herangezogen werden. Nicht alle Untersuchungen sind unmittelbar vergleichbar. Daten jeder Art bleiben interpretationsbedürftig und Menschen entscheiden oft eher nach Sympathie. Der wissenschaftliche Diskurs generiert keine „Wahrheiten“, die uns von der Mühe richtigen Fragens befreien würden.
Somit lohnt sich auch zu fragen, warum unterschiedliche wissenschaftliche Auswertungen zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen gelangen. Beispielsweise:
- Welche Prämissen (Grundannahmen) liegen einem Experiment zugrunde?
- Welche Fragestellung wurde mit welcher Methode untersucht?
- Welche Grenzen hat die angewendete Methode hinsichtlich der Fragestellung?
- Wie wird mit statistischer Signifikanz, Effektgröße und klinischer Relevanz umgegangen?
- Wie reproduzierbar sind die Ergebnisse?
- Wie transparent sind Methodik und Vorgehen, wurde die Studie bspw. vorab registriert?
- Welche möglichen Verzerrungen bestehen, etwa durch Auftraggeber oder Studienleiter?
- Was besagen die Ergebnisse wirklich – welche Schlussfolgerungen lassen sich tatsächlich aus den vorhandenen Daten ableiten?
Bei Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen ließe sich außerdem fragen:
- Welche Studien wurden nach welchen Kriterien einbezogen?
- Welche Kriterien wurden für ihre Qualität angelegt?
- Welche Vorkehrungen wurden getroffen, um nicht bspw. durch Steuerung von Ein- und Aussschlusskritieren auch die Ergebnisse zu beeinflussen?
Alle solchen Fragen gehören zum wissenschaftlichen Prozess.
Hohe Potenzen: eine spannende Frage der Grundlagenforschung
Ein häufiges Argument gegen die Homöopathie lautet: Bei hohen Potenzen ist die Ausgangssubstanz so stark verdünnt, dass keine relevanten Mengen ihrer Moleküle mehr vorhanden sind – eine spezifische Wirkung sei deshalb grundsätzlich ausgeschlossen. Das ist zunächst ein nachvollziehbares Argument aus Sicht der klassischen Pharmakologie. Es beantwortet jedoch noch nicht die experimentelle Frage, ob sich hochpotenzierte Präparate unter kontrollierten Bedingungen tatsächlich von entsprechenden Kontrollen unterscheiden lassen.
Genau dieser Frage widmet sich die Grundlagenforschung von Prof. Dr. Stephan Baumgartner und seiner Arbeitsgruppe. Über 25 Jahre wurden verschiedene experimentelle Modelle entwickelt, in denen potenzierte Präparate unter anderem mit potenzierten bzw. verschüttelten Kontrollen verglichen wurden. In einer 2023 vorgestellten Zusammenfassung berichtet die Arbeitsgruppe von 18 unterschiedlichen Testsystemen; in 15 davon wurden statistisch signifikante Unterschiede beobachtet. Besonders umfangreich repliziert wurden unter anderem Versuche mit Arsenicum album in Potenzen zwischen 17x und 45x sowie mit Stannum metallicum 30x.
Die Forschung ist damit keineswegs auf einen einzelnen historischen Versuch beschränkt. Eine 2017 publizierte Replikationsstudie untersuchte beispielsweise erneut die Wirkung potenzierter Argentum nitricum-Präparate auf die Wasserlinse (Lemna gibba) in einem randomisierten und verblindeten Versuchsaufbau. Eine 2025 veröffentlichte Arbeit griff wiederum das Kresse-/Kristallisationsmodell auf und untersuchte mit zusätzlichen Auswertungsverfahren die zuvor beobachteten Unterschiede zwischen Stannum metallicum 30x und einer Kontrollsubstanz (Doesburg, Baumgartner et al, 2024).
Damit sind keineswegs alle Fragen wissenschaftlich abschließend beantwortet. Die Forschung liefert Hinweise darauf, dass die Gleichsetzung „keine nachweisbare Ausgangssubstanz = keinerlei spezifischer experimenteller Effekt“ zu kurz greift. Sie liefert aber noch keine allgemein anerkannte Erklärung dafür, wie solche Effekte zustande kommen.
Die Grundlagenforschung darf also weitergehen.
Was also sagt die Forschung?
Eine seriöse Antwort fällt komplexer aus, als es die oft gehörten Kurzformeln vermuten lassen.
Es gibt wissenschaftliche Bewertungen, die der Homöopathie keine nachgewiesene spezifische Wirksamkeit über Placeboeffekte hinaus zuschreiben. EASAC hat dies 2017 ausdrücklich vertreten. Gleichzeitig gibt es systematische Auswertungen der klinischen Forschung, die zu positiveren Ergebnissen gelangen. Die schon genannte Arbeit von Hamre et al. aus dem Jahr 2023 ist dafür ein aktuelles Beispiel.
Keine dieser Quellen sollte isoliert als endgültiger Beweis für oder gegen die Homöopathie betrachtet werden. Entscheidend ist vielmehr, wie die jeweilige Evidenz zustande gekommen ist, welche Frage sie beantwortet und wie belastbar die daraus gezogenen Schlussfolgerungen sind. Das gilt für die Homöopathie ebenso wie für jede andere medizinische Behandlung.
Evidence-Based Medicine ist keine Maschine, die „wissenschaftliche Fakten“ oder gar „Wahrheit“ zugunsten dieser oder jener medizinischen Richtung generieren würde. Wissenschaftliche Erkenntnis ist ein Prozess, der auch die Reflexion der angewendeten Methoden einschließt und mit der Bereitschaft verbunden ist, scheinbar widersprüchliche Befunde einzubeziehen und eigene Annahmen im Licht neuer Erkenntnisse zu korrigieren.
Von der wissenschaftlichen Evidenz zu unterschieden ist evidenzbasierte Medizin als eine medizinische Praxis, die nach ihrem Begründer Sackett – nebst bestverfügbarer externer Evidenz – stets auch therapeutische Erfahrung sowie Wahrnehmung und Vorlieben der Patient/inn/en mit einbeziehen sollte (Sackett 1996).
Die Autoren von „Beyond the hierarchy: Rethinking the ‚levels of evidence‘ in modern medicine“ formulieren es etwas anders:
- Unser Ziel war nie EBM zu praktizieren, sondern evidenzinformierte und patientenzentrierte Medizin
(Vaishya et al, 2025). „Evidenzinformiert“ – eine schöne sprachliche Differenzierung. Evidenz wird nicht ignoriert, aber man unterwirft sich nicht – im schlechtesten Falle – statistischen Daten. An erster Stelle hat alleine der Patient, die Patientin zu stehen.
Von einem anderen Blickwinkel kritisieren Panigrahi und Bhattacharya ein zu hierarchisches Verständnis von Evidenz und verlangen mehr gute primäre Forschung „Beyond the pyramid: Reconsidering evidence synthesis as distinct from original research“ (Panigrahi et al, 2026).
Carl Classen (2026)
