Erstveröffentlichung in der „Naturheilpraxis“ 09/2003

Zeitaufwand und Kosten homöopathischer Heilpraktiker-Behandlungen

Zwei Umfragen des VKHD, Verband klassischer Homöopathen Deutschlands

Hinweis: Aktueller sind die für das 2011 erschienene „Leistungsverzeichnis klassische Homöopathie“ (LVKH) ermittelten Umfragewerte, welche die üblichen Honorare auch für Kinder und Jugendliche gesondert differenzieren. Die hier vorangegangen, hier aufgeführten Umfragen belegen einmal mehr die Validität der LVKH-Umfrage für Einzelmittel-Homöopathie. — Der insofern einzurechnende Verbraucherpreis-Index stieg inflationsbedingt von 2001 bis 2019 um ca. 29%, von 2011 bis 2019 um ca. 10% und seit 1985 (Gebüh!) um ca. 75%.

Was kostet eine homöopathische Heilpraktiker-Behandlung?

Immer noch gibt es einige Unsicherheiten bei der Rechnungstellung, gegebenenfalls auch bei der Erstattung homöopathischer Leistungen. Deutlich mehr Spielraum zu unseren Gunsten haben wir durch den Hinweis zu Ziffer 2 in der Neuauflage des Gebührenverzeichnis für Heilpraktiker (GebüH), dass die ‘Beträge als Durchschnittswert für einen 30-minütigen Zeitaufwand’ zu verstehen sind. Doch nicht selten entsteht Verwirrung, sei es wegen des Zeitfaktors oder durch die weiterhin fehlende Differenzierung im GebüH zwischen akut und chronisch sowie zwischen Erst- und Folgeterminen. Als Heilpraktikerverband bemüht der VKHD sich im Einzelfall um Klärung durch Schriftwechsel und Gespräche mit Patienten, Leistungsträgern und Behandlern. Darüber hinaus ermittelt der VKHD, in welchem Rahmen homöopathische Behandlungen tatsächlich durchgeführt werden.

Im Jahre 2001 befragte der VKHD seine laut Aufnahmeantrag ‘überwiegend homöopathisch’ praktizierenden Mitglieder nach den für homöopathische Heilpraktiker-Behandlungen durchschnittlich erhobenen Honoraren. Im Sommer 2003 folgte eine Umfrage zum üblichen Zeitaufwand in der Praxis.
Die Honorarumfrage 2001 erbrachte (damals noch in DM) folgende Ergebnisse: Die homöopathisch Erstanamnese einer chronischen Krankheit kostet inklusive Fallanalyse durchschnittlich € 131,- , ein Folgetermin (chronisch) € 43,- und eine Akutbehandlung € 45,-. Wie zu erwarten, gab es einige Schwankungen, die unter anderem regional bedingt und von der Zahl bisheriger Praxisjahre abhängig waren. Der Anteil homöopathischer Behandlung in den befragten Praxen lag, in regionalen Durchschnitten ausgedrückt, zwischen 92 und 100%.

Unsere aktuelle Umfrage zum Zeitaufwand erfolgte ebenso aus allgemeinem Interesse wie auch um Hintergrundinformation zu Abrechnungsfragen zu gewinnen. Beispielsweise begründete eine Versicherung ihre magere Erstattung damit, dass laut Hinweis zu GebüH Ziffer 2 eine halbe Stunde der durchschnittliche Zeitaufwand für die entsprechende Leistung sei und berief sich dabei ausgerechnet auf ihre ‘beratende Heilpraktikerin’. In einem anderen Falle forderte der Ehemann einer kassenversicherten, also selbst zahlenden Patientin einen Teil des bereits beglichenen Honorars zurück mit der Begründung, dass Zeitaufwand nach Sprechstunde vollkommen unüblich sei. Wir konnten mit einer verbandlichen Stellungnahme helfen und vor Gericht kam es zu einem Vergleich weitestgehend zu Gunsten der behandelnden Kollegin, doch nicht zu einem wirklich für uns brauchbaren Musterurteil.

Mit den Ergebnissen der aktuellen Umfrage können wir nun statistisch untermauern, was jedem praktizierenden Kollegen und jeder Kollegin längst bewusst ist: homöopathische Behandlungen gehen nicht im Schnelldurchlauf und Fallanalysearbeiten nach Patientenkontakt sind die Regel, keine Ausnahme. Für Anfänger mag es tröstlich sein, dass sich der Zeitaufwand nach Patientenkontakt im Laufe der Zeit erheblich reduziert, doch auch erfahrene KollegInnen sich nicht alles aus dem Ärmel schütteln. Auch nach mehr als drei Jahren Praxiserfahrung kann der reinen Sprechzeit im Schnitt nochmals gut die Hälfte dieser Zeit für Fallanalysearbeiten nach Patientenkontakt hinzugerechnet werden, und das ist keineswegs nur bei Erstanamnesen so. Gerade Folgetermine benötigen große Sorgfalt, hier ist die Zeitersparnis durch Erfahrung offenbar am geringsten. Die Gesamtkosten bleiben jedoch in Maßen, da die Terminintervalle (nach denen wir diesmal nicht fragten) in chronischen Fällen deutlich größer als bei vielen anderen Verfahren gesetzt werden können, da in der Regel keine anderen Verfahren parallel eingesetzt werden, die Arzneikosten gering sind und da gemessen am Aufwand doch ausgesprochen moderat abgerechnet wird.

Grundsätzlich empfehlen wir, bei Verwendung von GebüH Ziffer 2 den erbrachten Zeitaufwand anzugeben, am besten sowohl die reine Sprechzeit wie auch den Gesamtaufwand. Die Patienten sollten vor Behandlungsbeginn über die ungefähr zu erwarteten Gebühren aufgeklärt werden und wir sollten uns weiterhin hüten, vorab eine ‘problemlose’ Erstattung zu versprechen. Textvorschläge für Erstanamnese, Akut- und Folgetermine (wie wir sie für Folgeauflagen des GebüH bereits den DDH vorschlugen) und ausführliche Abrechnungstipps finden Sie in unserem Mitglieder-Handbuch.

Doch nun die Auswertung unserer zweiten Umfrage:

1. VKHD-Mitglieder mit drei und mehr Jahren homöopathischer Praxiserfahrung

Ich schätze in meiner Praxis folgende DurchschnittswerteZeitaufwand im direkten PatientenkontaktZeitaufwand für Fallanalysearbeiten nach Patientenkontakt
Erstanamnese, chronisch –115 Minuten66 Minuten
Folgeanamnese –45 Minuten24 Minuten
Akutanamnese –28 Minuten13 Minuten

2. VKHD-Mitglieder mit weniger als drei Jahren homöopathischer Praxiserfahrung

Ich schätze in meiner Praxis folgende DurchschnittswerteZeitaufwand im direkten PatientenkontaktZeitaufwand für Fallanalysearbeiten nach Patientenkontakt
Erstanamnese, chronisch –120 Minuten122 Minuten
Folgeanamnese –50 Minuten38 Minuten
Akutanamnese –31 Minuten25 Minuten

Bei alledem ist uns bewusst, dass es sehr verschiedene Stile des Praktizierens gibt. Jede Statistik schert über einen Kamm, was im Einzelfall recht unterschiedlich aussehen kann. Doch damit, dass Auswertungsarbeiten nach Patientengespräch unüblich seien oder dass 30 Minuten ein Durchschnittswert für den Gesamtaufwand sei, wird sich so schnell niemand mehr herausreden können.

Carl Classen, 2003
Beirat im VKHD