Homöopathie, der Rückwärts-Dreh und warum wir umso mehr gebraucht werden

Erschüttert beobachten wir, wie schon seit einigen Jahren die meisten bürgerrechtlichen und sozialen Errungenschaften der letzten 50 Jahre scheinbar unaufhaltsam rückwärts abgewickelt werden. Der Verrat von Menschenwürde und europäischer Werte an den Grenzen Europas wird weitgehend hingenommen als Kollateralschaden einer von den Finanzmärkten diktierten Globalisierung. Das Eine ist nicht ohne das Andere zu haben, man „bekämpft“ Symptome und verstrickt sich. Demokratisch gewählte Volksvertreter werden immer weniger als die eigentlich Regierenden wahrgenommen, „alternative“ Medien führen überwiegend vom Regen in die Traufe. Vorstellungen, das Internet könnte eine Art informationelle Basisdemokratie ermöglichen, machen einem langsamen Erwachen Platz, dass wir in hochgradig manipulierten Netzen hängen. In der gefühlten Krise neigen seelisch träge Menschen dazu, reaktionäre falsche „Befreier“ zu wählen — im Zweifel jene, die die größten Töne spucken.

In diesen merkwürdigen Gegenstrom der Zeit passt auch die Rückabwicklung gesundheitlicher Selbstbestimmung, derzeit insbesondere der freien Impfentscheidung. Zugleich haben sich Leitmedien und öffentlich-rechtliche Sender willig darauf eingeschossen, die Homöopathie und naturgemäße Heilverfahren als Gefahr für die Bevölkerung darzustellen, da Patienten notwendige Maßnahmen angeblich versäumen würden. Passend zur Stimmung allgemeiner Verunsicherung und Angst werden Virus-Epidemien, an denen weniger als ein Promille der Jahr für Jahr von multiresistenten Klinik-Keimen Getöteten verstirbt, zum Welt-Notstand ausgerufen.

Sollen viele kleine Ängste uns kontrollierbar machen und ablenken von völlig anderen Gefahren dieser Zeit? Und jene, die sich immerhin global umschauen – warum starren viele nur auf ein einziges der wichtigen Themen, wie etwa CO2, und blenden alles andere aus? Wie weit reichen technologische, und dann doch wieder marktbestimmte Problemlösungen? Was aber sind unsere Chancen, Möglichkeiten, Potenziale? Lasst uns aufwachen. Lasst uns frei erkennend, innerer Wahrheit treu, reflektiert und offen für Echtes, zusammenhängend und weitblickend, eigenverantwortlich wie auch miteinander abgestimmt, freundschaftlich aber konfliktfähig schauen, denken und handeln. Das ist unsere Chance.

Was uns als Homöopathen, und was die meisten Anwender naturgemäßer Heilweisen vom Mainstream unterscheidet, sind andere Zugänge zum LEBENDIGEN, zu Lebensprozessen und damit auch zu Wirkungsweisen als jene der teils erfolgreichen, aber einseitig gewordenen konventionellen Medizin. Diese Einseitigkeit spüren durchaus auch viele „Schulmediziner“ und sind in der Mehrzahl deswegen gar nicht so abgeneigt gegenüber anderen Heilweisen, wie einige Medienberichte glauben machen. Der Glauben an ein alleine biophysikalisches Weltbild, der Glauben auch an die Abkunft des Menschen und aller Schönheit dieser Welt alleine aus dem zufälligen Zusammenspiel von Atomen und Elementarteilchen einer „ewigen Materie“ ist eben auch nur eine Glaubensvorstellung. Eine Vorstellung, die sich durch ein vorwiegend auf die Beherrschung und Ausbeutung von Naturvorgängen gerichtetes, insofern erfolgreiches, nur eben einseitiges Wissen vordergründig zu bestätigen scheint. Großzügig übersehen wird die Bedeutung jenes Wissens, das wir nur in und durch uns selbst finden können, das die Beobachtung und Klärung innerer Prozesse einbezieht, was dann den großen Bereich der Erfahrung betrifft — und damit den Bereich der (freilich richtig zu greifenden!) Erfahrungswissenschaften.

Vor wenigen Tagen – mit einigen Kolleginnen hatten wir die durchaus schon bösartig zu nennenden Vorgehensweisen des Filmteams diskutiert, das den Verriss „Homöopathie, die Macht der Kügelchen“ drehte* – schrieb mir eine befreundete Kollegin aus Indien. Sie erlaubt mir zu zitieren:

„Mein indischer Ayurveda-Doktor sagte gestern zu mir, als ich ihm ein bisschen aus meiner Homöopathie-Praxis berichtet habe: ‘Homeopathy is very powerful and it can go much more deep than Ayurveda!’. Also, der gläubige Hindu, der morgens seine Rituale verrichtet, hat jedenfalls kein Problem mit dem, was er nicht sehen kann. Denn er weiß, dass auch alles Materielle am Ende nur Schwingung ist. Auch im Ayurveda wird dieses Phänomen der Transformierung von nicht-stofflich in stofflich und umgekehrt beschrieben…“

So spricht ein 70-jähriger, in einer ganz anderen Tradition verwurzelter Arzt. Bescheiden genug um etwas gelten zu lassen, was er selbst nicht anwendet. Wer Wurzeln hat, kann würdig schreiten, braucht keine Rückwärts-Drehs.

Oder ist doch alles „Glaubensheilkunde“? Warum nicht, wenn’s bei Katholiken und Atheisten, Katze oder Rind, Weizenkeim und Wasserlinsen gleichermaßen wirkt. Was die Kritiker geflissentlich übersehen ist, dass der erwähnte Glauben an die biophysikalische Erklärbarkeit aller Lebensvorgänge, und selbst des menschlichen Geistes, alleine aus den Mechanismen bekannter Kategorien von Naturgesetzen heraus eben auch nur ein Glaubenssystem ist. Eines, für das bspw. die Giordano-Bruno-Stiftung, mit einem verdrehten Konzept von Aufklärung, Trans- und Pseudo-Humanismus, sogar aktiv missioniert. Frei nach Paul Watzlawick möchte ich daher sagen, „man kann nicht nicht glauben“. Die Reflexion eigener Grundannahmen, Vertrauen wie auch Hinterfragen, Beobachten und Eintauchen in die Prozesse, Offenheit sowie Bewusstheit und Erkenntnis, die das ganze Wesen einbezieht: Dies sind die Brücken vom Glauben zu echtem Wissen, das uns niemand mehr nehmen kann. Aude sapere.

C.

(Imbolc 2020)

Nebel

* Ein P.S. zu jenem SWR/ARD-Dreh

Hier einfach zur Info zur „Macht der Kügelchen“ (SWR/ARD). Nur für jene, die es interessiert und die es nicht schon anders erfahren haben.

Es reichte den Skeptinatikern, wie einige sagen, also den Skepsis-Fanatikern nicht, dass die Film-Redaktion völlig der Diktion des Münsteraner Kreises (einer akademischen Gruppierung von Homöopathie-, Komplementärmedizin- und Heilpraktiker-Gegnern) folgte. Es reichte nicht, eine Interviewte mit zwei 5-stündigen Drehs mit 3 pausenlos laufenden Kameras und provozierend unterbrechenden Zwischenfragen so lange zu schickanieren, bis auch die ein und andere schwache Antwort im Kasten war, also die übliche Technik von Mehrfach-Drehs nicht zur Auswahl des Besten, sondern zur Auswahl der für die Interview-Partner schlechtesten Sequenzen zu verwenden. Es reichte nicht, Aussagen sinnentstellend zu kollagieren und indirekt Schlüsse nahezulegen — etwa dass Jens Behnke über die Forschungslage täuschen würde — wo der Zuschauer schon gute Kenntnisse der Forschungslage bräuchte um zu verstehen, dass da niemand täuschte (nur ein Aspekt: für höchstens 20% dessen, was in Allgemeinpraxen geschieht, gibt es eine starke Evidenzbasis). Die Frage, warum die Interviewten nicht dies und jenes sagten, erübrigt sich, weil starke Aussagen herausgeschnitten wurden. Weder der Narrativ angeblicher Einigkeit der Wissenschaft noch jeder der ach so gierigen und faulen Millionen-Lobby der Homöopathie (die verursacht immerhin 0,03 Promille der GKV-getragenen Gesundheitskosten) reicht den Aktivisten. Nein, auch für eine „Abstimmung“ (Stimmungsbild) auf der SWR-Website konnten nur drei Möglichkeiten angekreuzt werden, die alle drei die durchaus falsche Behauptung beinhalteten, dass es für Homöopathie keine Evidenz gäbe.

Zu den Aufgaben der öffentlich-rechtlichen Medien gehört laut Rundfunkstaatsvertrag, § 3 auch, „die Würde des Menschen zu achten und zu schützen; die sittlichen und religiösen Überzeugungen der Bevölkerung sind zu achten. Die Angebote sollen dazu beitragen, die Achtung vor Leben, Freiheit und körperlicher Unversehrtheit, vor Glauben und Meinungen anderer zu stärken“. Die verzerrende und entwürdigende Darstellung von SWR/ARD ging über einen Meinungsbeitrag weit hinaus und dient in dieser Undifferenziertheit auch nicht dem Patientenschutz. Sie verletzt daher die Grundprinzipien des Staatsvertrages.

Aber das alles reichte den Skepsis-Fanatikern nicht. Der SWR musste zugeben, dass die „Abstimmungs“-Site manipuliert wurde. Gut. Oder vielmehr schlecht: Nun haben wir einen Beleg mehr, dass die Pseudo-Skeptiker mit hochtechnisierten Mitteln inklusive Social Bots arbeiten. Unten ein bei Twitter, dann bei Facebook geposteter Screenshot, wohl vom 31.1.20, der diese Social-Bot Aktionen belegt.

By the side — meine Frau hatte nur zwei Minuten des Filmes mit angesehen — ihr Eindruck: Neid. Einige sind neidisch, dass wir viel Zeit für unsere Patienten und dabei angeblich gar nichts zu tun hätten. Aber das ist vermutlich nur eine der Triebfedern. Vorerst sind die Überzeugungstäter schon mal ’nützliche Idioten‘ für Industrien, die von eigenen Problemen ablenken wollen oder müssen, und Geld fehlt dafür offenbar auch nicht.

—–