Homöopathische Arzneimittel und die skeptischen Eselreiter

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Falsche Fahnen des Verbraucherschutzes und wie Politiker sich instrumentalisieren lassen

Feuerlilie(cc) Homöopathische Arzneimittel wirken sicher, sanft und ohne chemische Nebenwirkungen. Eine größere Zahl wissenschaftlicher Studien spricht für eine Wirksamkeit, die mit Placebo-Effekten alleine nicht erklärbar ist1. Groß angelegte Studien, die das Gegenteil erweisen sollten, mussten zu diesem Zweck offenkundig manipuliert werden2. Letztlich muss der Patient frei entscheiden, welcher Therapie und welchem Behandler er vertraut. Seriöse Behandler weisen selbstverständlich auch auf die Grenzen homöopathischer Behandlungen hin und werden sie nicht für jede Krankheit als alleinige Therapie-Option darstellen3. Patientenschutz ist wichtig, darf aber nicht zur Gängelei werden. Wir sind mündige Bürger und erleben täglich auch die Grenzen der Schulmedizin.

So genannte Skeptiker-Organisationen, in Deutschland vor allem die GWUP (Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Para-Wissenschaften) nehmen die Homöopathie als Vorwand, weil sie Interesse weckt und unser Weltbild herausfordert. Statt an entscheidender Stelle weiter zu forschen, wird ein szientistisches Weltbild des 19. Jh. verteidigt, nämlich die Erklärbarkeit des gesamten Universums durch einen bestimmten Rahmen bekannter Naturgesetze. Auch daraus kann man eine „Religion” machen. Ideologische Skeptizisten und Pseudo-Skeptiker tun dies, mit der typischen Dynamik von Glaubenskriegern4. Echte Skeptiker hingegen fragen weiter. Eigentlich sind es also gar keine Skeptiker, sondern Anhänger einer Ideologie, eines „-ismus”. Daher sagen wir: „Skeptizisten”. Diese Skeptizisten, ursprünglich einmal Ableger von amerikanischen Atheisten-Organisationen, nahm fast niemand ernst bis zu dem Zeitpunkt, als sie verstärkt Gesundheitsthemen aufnahmen. Worum geht es dabei? Um die betroffenen Patienten? Dem Eindruck nach beobachteten die Skeptizisten einfach, dass Gesundheitsthemen mehr Mausklicks erzielten als Kontroversen zu Marien-Wundern oder Berichte zu Ufos und Aliens.

Der Wolf GWUP fraß Kreide, bildete das Anti-Homöopathie-Netzwerk INH und gab sich patientennah. Das INH wendet sich seither mit hoch professioneller Agenturarbeit – woher stammte plötzlich das Geld? – in großer Regelmäßigkeit an Medien und Politiker. Politiker sind gewohnt, von Lobby-Gruppen umgeben zu sein. Aber wenn eine Lobby-Gruppe als Verbraucherschützer daherkommt? Rückgrat und Synapsen sind dann, in einigen Fällen haben wir diesen Eindruck, irgendwann mal weichgeschossen.

EseleiEs ist ein vorläufiger PR-Sieg von GWUP / INH, dass sie zwei jüngste Vorstöße über große Parteien lancieren konnten. Zugleich offenbart solche Fremdsteuerung von Parteien aber einen dramatischen Verlust, nämlich an demokratischer Kultur. Was geschah? Zunächst, im Mai 2017, machte sich der SPD-Landesverband Bremen GWUP-Positionen zu eigen5, kurz drauf, im Juli 2017, folgte gleich die ganze CDU/CSU-Fraktion mit als „Verbraucherschutz” getarnten Positionen der ideologischen Skeptizisten6.

Positionen, die für einen wirklichen Patientenschutz – und zwar völlig gleich, ob man jetzt „pro” oder „contra” Homöopathie eingestellt ist – ganz einfach widersinnig sind. Vorfälle wie zuletzt in den USA, mit Belladonna-Rückständen in schlecht hergestellten homöopathischen Arzneimitteln, sind durch die deutschen und europäischen arzneimittelrechtlichen Anforderungen bei uns nicht ohne Weiteres möglich. Die GWUP-Vorschläge würden bei uns bereits vorhandenen Patientenschutz unmittelbar aushöhlen. Mit diesen Widersprüchen ließen GWUP / INH freilich auch ihre Maske fallen.

Konkret handelt es sich um die Vorschläge, die Apothekenpflicht für homöopathische Arzneimittel aufzuheben (eigentliches Ziel ist, den Arzneimittel-Status und daran gebundene Sicherheits-Anforderungen ganz aufzuheben), deutsche Bezeichnungen für die Ausgangsstoffe einzuführen (für ausländische Ausgangsstoffe und viele Mineralien gar nicht möglich) und Homöopathika im Beipackzettel mit Warnhinweisen zu versehen, dass es keine Wirksamkeitsnachweise gäbe (was so nicht wahr ist). Teils sind die Vorschläge rechtlich problematisch7, teils undurchführbar, teils unterminieren sie ganz direkt den Patientenschutz. Alles Dinge, die Politiker eigentlich vorab prüfen sollten.

Zu den Arbeitsweisen dieser Kräfte gehört in auffallender Weise die Diskreditierung, die Verbreitung von Misstrauen in die Beweggründe Andersdenkender, Andersfühlender. Doch Selbstgerechtigkeit ist der blinde Fleck solcher Weltverbesserer, gleich ob sie sich den Mantel der Religion, eine Ideologie oder ein säkular-naturwissenschaftliches Weltbild auf die Fahnen schreiben. Selbstgerechtigkeit überhebt nicht nur die eigene Bedeutung, sie macht wissenschaftlich wie moralisch blind. Der Selbstgerechte darf alles.

Politiker jedenfalls sollten solche „Verbraucherschützer” näher unter die Lupe nehmen. Sind wir „Verbraucher”? Arme Schlucker oder fressende Schlünder, das ist der „Homo oekonomicus” als Kettenschloss und Endglied wirtschaftlicher Zyklen. Wir aber sind mündige Menschen. Mit Bedürfnissen, und wir tragen in uns Freiheit und Würde ganzen Menschseins. Weniger macht krank. Wir wollen freie Therapiewahl und freie Berufsausübung in einem würdigen Rahmen, nicht Gängelung.

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1                  unter anderem: von Ammon K, Torchetti L, Frei-Erb M, 2016: Ergebnisse von Original-RCTs mit individueller Homöopathie und Hochpotenzen im Vergleich zu Placebo und Standard-Therapien

2                  www.arscurandi.de/studien-manipulationen-nach-der-schweiz-nun-auch-in-australien-aufgedeckt/

3                  siehe bspw. Berufsordnung des VKHD mit integrieten Ethik-Richtlinien

4                  aufschlussreich sind Einblicke von Aussteigern aus sektenartigen Skeptiker-Organisationen:
www.skeptizismus.de oder international: www.skepticalaboutskeptics.org

5                  AEHA, 2017: „Homöopathika brauchen keine diskriminierenden Verwirr-Hinweise”. www.aeha-buendnis.de

6                  AEHA, 2017: „Bezeichnungen und Apothekenpflicht homöopathischer Arzneimittel: mit den Christdemokraten 260 Jahre rückwärts?” www.aeha-buendnis.de

7                  Pannenbecker, PharmR 2017, 238: „Keine verpflichtenden Warnhinweise für homöopathische Arzneimittel – arzneimittelrechtliche Grenzen der Homöopathiekritik”